Bildungsfahrt ins KZ Sachsenhausen

Am 23. Oktober 2010 reisten Mitglieder der Projektgruppe Couleur Noir und des Tamara -Bunke – Vereins zur internationalen Jugendverständigung e.V. nach Oranienburg, um das ehemalige Konzentrationslager (KZ) Sachsenhausen zu besichtigen und Kontakte zu Mitgliedern der Partei DIE LINKE wie auch des „Eine Welt Laden Gaia“ zu pflegen und auszubauen. Dazu hatte der Ortsverband der LINKEN Löbau-Zittau eingeladen.

Vor Beginn der 3 stündigen Hinfahrt berichtete die Löbauer Landtagsabgeordnete Heiderose Gläß (Linksfraktion), dass Sie einen sehr persönlichen Bezug zu diesem KZ hat. Ihr Vater, überzeugter Sozialdemokrat, war bis 1937 Häftling in diesem KZ.

Zur Geschichte des Konzentrationslagers:
Durch die Nähe zu Berlin und damit auch zur Gestapozentrale in der Prinz-Albrecht-Straße hatte dieses Lager eine Sonderrolle im KZ-System. Ein großes SS-Kontingent war hier stationiert. Das Lager diente als Ausbildungsort für KZ-Kommandanten und das Bewachungspersonal im ganzen NS-Bereich (ähnlich wie das KZ Dachau). Insgesamt wurden ca. 200.000 Häftlinge nach Sachsenhausen deportiert, nur etwa 140.000 davon wurden registriert. Im August 1941 wurde eine Massenerschießungsanlage errichtet, in der dann etwa 13.000 bis 18.000 sowjetische Kriegsgefangene ermordet wurden. Insgesamt sollen mehrere zehntausend Häftlinge ermordet worden sein.
Es ist weder örtlich noch zeitlich identisch mit dem KZ Oranienburg, das bereits 1933/34 mitten in Oranienburg errichtet worden war.
weitere Informationen unter https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/KZ_Sachsenhausen

Eine Teilnehmerin der Bildungsreise schildert ihre Eindrücke vom Besuch des ehemaligen KZ:
Zu Beginn unseres Rundganges schilderte MdL Gläß, wie ihr Vater, der Insasse des Lagers war, dieses erlebt hatte. Diese sehr persönlichen Details machen die Verbrechen, die hier begangen worden sind, greifbarer. Es herrschte eine kalte Stille, als MdL Heiderose Gläß erzählte.
Anschließend besichtigten wir das Museum. Im Museum beeindruckte mich das Glasfenster „Internationaler Widerstandskampf“ von Walter Womacka. (siehe Fotos) Das Glasgemälde besteht aus 3 Teilen. Das linke Fenster zeigt einzelne Stationen des Widerstand (Geheimdruckerei, Abhören eines Senders, Verhaftung und Folter), das rechte den sowjetischen Partisanenkampf. Dieser Widerstand mündet im Mittelfenster in der Befreiung durch den Häftling, die Partisanin und den Sowjetsoldaten.
Die nächste Station waren die Baracken der Häftlinge. In einer Baracke war der Waschraum. (siehe Foto) Zeitweise bis zu 4000 Personen mussten sich morgens zwischen Wecken, Austeilen der Morgenration und Abmarsch zum Appell an diesen beiden Stehbrunnen mit kaltem Wasser waschen, dass – einem Springbrunnen ähnlich – aus dünnen Strahlen in der Brunnenmitte floss. Die Waschräume wurden oft zu Orten spezifischen SS-Terrors: So wurden Häftlinge von SS-Männern in den Fußwaschbecken (an der rechten Seite) ertränkt. Erschreckend zu was Menschen alles fähig sind.
Die Strecke des Todesmarsches, auf den die verbliebenen gehfähigen Häftlinge am 18.April 1945 getrieben wurden, führte ganz in der Nähe der heutigen Grenze zur tschechischen Republik vorbei.(siehe Foto) So führte der Marsch über Varnsdorf und Rybniste. Die SS erschoss vor Erschöpfung zusammenbrechende Häftlinge und verscharrte die Toten an verschiedenen Orten des durch die sächsische Schweiz führenden Marsches. Am 4.Mai 1945 fand in Varnsdorf eine Selektion statt. Die selektierten jüdischen Häftlinge transportierte die SS in offenen Güterwaggons bis Litomerice. Von dort trieb sie die Häftlinge zu Fuß weiter. 228 jüdische Häftlinge kamen in der Nacht zum 08.Mai 1945 in Theresienstadt an.
Persönlich beeindruckte mich der Lebensweg von Ernst Schneller. (siehe Foto) Für mich ein Vorbild.
Es ist erschreckend, zu was Menschen alles fähig sind. Der ergreifendste Moment für mich war, als ich dann vor der ehemaligen Gaskammer, dem Erschießungsgraben und den Öfen stand. Wie viele Menschen wurden hier gemartert und ermordet. Ich fühlte Trauer, Wut aber auch Hoffnung. Hoffnung, dass es derartiges nie wieder passiert. Und deshalb bin ich, mit dem innerlichen Versprechen heimgefahren, weiter gegen den aufkeimenden Nazismus aktiv zu sein. Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!

Nach 4 stündiger Rückfahrt erreichten wir gegen 21 Uhr das abendliche Zittau. Jeder ging nach Hause und dachte sicherlich über den Tag und das Erlebte nach.

Die TeilnehmerInnen bedanken sich bei der LINKEN und MdL Gläß für die Einladung.

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