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Bildungsfahrt ins KZ Sachsenhausen

Posted on Oktober 27th, 2010 by Gemuesekohl  |  No Comments »

Am 23. Oktober 2010 reisten Mitglieder der Projektgruppe Couleur Noir und des Tamara -Bunke – Vereins zur internationalen Jugendverständigung e.V. nach Oranienburg, um das ehemalige Konzentrationslager (KZ) Sachsenhausen zu besichtigen und Kontakte zu Mitgliedern der Partei DIE LINKE wie auch des „Eine Welt Laden Gaia“ zu pflegen und auszubauen. Dazu hatte der Ortsverband der LINKEN Löbau-Zittau eingeladen.

Vor Beginn der 3 stündigen Hinfahrt berichtete die Löbauer Landtagsabgeordnete Heiderose Gläß (Linksfraktion), dass Sie einen sehr persönlichen Bezug zu diesem KZ hat. Ihr Vater, überzeugter Sozialdemokrat, war bis 1937 Häftling in diesem KZ.

Zur Geschichte des Konzentrationslagers:
Durch die Nähe zu Berlin und damit auch zur Gestapozentrale in der Prinz-Albrecht-Straße hatte dieses Lager eine Sonderrolle im KZ-System. Ein großes SS-Kontingent war hier stationiert. Das Lager diente als Ausbildungsort für KZ-Kommandanten und das Bewachungspersonal im ganzen NS-Bereich (ähnlich wie das KZ Dachau). Insgesamt wurden ca. 200.000 Häftlinge nach Sachsenhausen deportiert, nur etwa 140.000 davon wurden registriert. Im August 1941 wurde eine Massenerschießungsanlage errichtet, in der dann etwa 13.000 bis 18.000 sowjetische Kriegsgefangene ermordet wurden. Insgesamt sollen mehrere zehntausend Häftlinge ermordet worden sein.
Es ist weder örtlich noch zeitlich identisch mit dem KZ Oranienburg, das bereits 1933/34 mitten in Oranienburg errichtet worden war.
weitere Informationen unter https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/KZ_Sachsenhausen

Eine Teilnehmerin der Bildungsreise schildert ihre Eindrücke vom Besuch des ehemaligen KZ:
Zu Beginn unseres Rundganges schilderte MdL Gläß, wie ihr Vater, der Insasse des Lagers war, dieses erlebt hatte. Diese sehr persönlichen Details machen die Verbrechen, die hier begangen worden sind, greifbarer. Es herrschte eine kalte Stille, als MdL Heiderose Gläß erzählte.
Anschließend besichtigten wir das Museum. Im Museum beeindruckte mich das Glasfenster „Internationaler Widerstandskampf“ von Walter Womacka. (siehe Fotos) Das Glasgemälde besteht aus 3 Teilen. Das linke Fenster zeigt einzelne Stationen des Widerstand (Geheimdruckerei, Abhören eines Senders, Verhaftung und Folter), das rechte den sowjetischen Partisanenkampf. Dieser Widerstand mündet im Mittelfenster in der Befreiung durch den Häftling, die Partisanin und den Sowjetsoldaten.
Die nächste Station waren die Baracken der Häftlinge. In einer Baracke war der Waschraum. (siehe Foto) Zeitweise bis zu 4000 Personen mussten sich morgens zwischen Wecken, Austeilen der Morgenration und Abmarsch zum Appell an diesen beiden Stehbrunnen mit kaltem Wasser waschen, dass – einem Springbrunnen ähnlich – aus dünnen Strahlen in der Brunnenmitte floss. Die Waschräume wurden oft zu Orten spezifischen SS-Terrors: So wurden Häftlinge von SS-Männern in den Fußwaschbecken (an der rechten Seite) ertränkt. Erschreckend zu was Menschen alles fähig sind.
Die Strecke des Todesmarsches, auf den die verbliebenen gehfähigen Häftlinge am 18.April 1945 getrieben wurden, führte ganz in der Nähe der heutigen Grenze zur tschechischen Republik vorbei.(siehe Foto) So führte der Marsch über Varnsdorf und Rybniste. Die SS erschoss vor Erschöpfung zusammenbrechende Häftlinge und verscharrte die Toten an verschiedenen Orten des durch die sächsische Schweiz führenden Marsches. Am 4.Mai 1945 fand in Varnsdorf eine Selektion statt. Die selektierten jüdischen Häftlinge transportierte die SS in offenen Güterwaggons bis Litomerice. Von dort trieb sie die Häftlinge zu Fuß weiter. 228 jüdische Häftlinge kamen in der Nacht zum 08.Mai 1945 in Theresienstadt an.
Persönlich beeindruckte mich der Lebensweg von Ernst Schneller. (siehe Foto) Für mich ein Vorbild.
Es ist erschreckend, zu was Menschen alles fähig sind. Der ergreifendste Moment für mich war, als ich dann vor der ehemaligen Gaskammer, dem Erschießungsgraben und den Öfen stand. Wie viele Menschen wurden hier gemartert und ermordet. Ich fühlte Trauer, Wut aber auch Hoffnung. Hoffnung, dass es derartiges nie wieder passiert. Und deshalb bin ich, mit dem innerlichen Versprechen heimgefahren, weiter gegen den aufkeimenden Nazismus aktiv zu sein. Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!

Nach 4 stündiger Rückfahrt erreichten wir gegen 21 Uhr das abendliche Zittau. Jeder ging nach Hause und dachte sicherlich über den Tag und das Erlebte nach.

Die TeilnehmerInnen bedanken sich bei der LINKEN und MdL Gläß für die Einladung.

Bildungsreise nach Auschwitz

Posted on Oktober 24th, 2010 by Gemuesekohl  |  No Comments »

Am 23. Oktober reisten MitgliederInnen der Projektgruppe Couleur Noir und des Tamara -Bunke – Vereins zur internationalen Jugendverständigung e.V. nach Polen, um das ehemalige Konzentrationslager (KZ) Auschwitz zu besichtigen und Kontakte zu polnischen Jugendlichen zu pflegen und auszubauen.

Das staatliche Museum Auschwitz-Birkenau wurde 1947 aufgrund ein Gesetzes des polnischen Parlaments auf den zwei erhalten gebliebenen Teilen des ehemaligen größten Konzentrationslagers Auschwitz I – Stammlager und Auschwitz II – Birkenau errichtet. Seit 1979 ist dieser Ort ein Objekt des UNESCO Weltkulturerbes.

Das KZ Auschwitz wurde 1940 von Nazis in einem Vorort von Oświęcim, welches von Deutschen besetzt war, gegründet. In den nächsten Jahren wurde das Lager ausgebaut und für die Welt zum Symbol von Naziterror, Völkermord und Holocaust.

Schätzungen zur Folge wurden mindestens 1,1 Millionen Jüdinnen und Juden nach Auschwitz deportiert. Die Mehrheit starb im Lager. Gegen Kriegsende begann die SS ( Schutzstaffel der NSDAP [Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei]) die Spuren ihrer Verbrechen zu verwischen. Sie demontierten und vernichteten Gaskammern und Krematorien und verbrannten Dokumente. Bis heute sind jedoch Spuren dieser grausamen Verbrechen der Nazis zu finden. Ausgrabungen im KZ Auschwitz Birkenau bringen immer wieder Beweise zum Vorschein, die die SS zu vertuschen versuchte.

Eine Teilnehmerin der Bildungsreise schildert ihre Eindrücke vom Besuch des ehemaligen KZ:

Die Gedenkstätte war von BesucherInnen überflutet. Aus vielen verschiedenen Ländern kamen am 23. Oktober ca. 1000 Menschen nach Oświęcim, um das Museum Auschwitz-Birkenau zu besichtigen. Fast 30 Millionen Menschen aus der ganzen Welt haben das ehemaligen KZ seit der Eröffnung des Museums besucht. Unsere Museumsführung dauerte insgesamt über fünf Stunden. Es war anstrengend: physisch und psychisch. Wenn man in die Gesichter der Menschen blickte, die einem aus dem Museum entgegen kamen, konnte man bereits erahnen, was einen erwartet. Zuerst besichtigten wir das Stammlager Auschwitz I. Mit Hilfe des Audio-Guides wurde gesichert, dass wir unsere Fremdenführerin auch tatsächlich verstanden. Sie vermittelte uns über ein Mikrophon Informationen. Wie in den meisten Museen war die Zeit auch hier zu kurz, um sich alles ausführlich und genau anzusehen. Wir hatten Gelegenheit, uns verschiedene Lagerblöcke anzuschauen. So auch den Block Nr. 11, den so genannten Todesblock. Hier wurden Häftlinge und Häftlinginnen untergebracht, die zum Hungertod verurteilt wurden. Dies geschah zur Vergeltung für die Flucht von einem Mithäftling.

Es ist kaum möglich, meine Emotionen und Eindrücke in Worte zu fassen. Ich kann jedem/jeder nur ans Herz legen, sich das ehemalige KZ selbst anzusehen.

Für mich war der ergreifendste Moment das Betreten des Gebäudes, in dem die erste Gaskammern und das erste Krematorium errichtet wurden. Selbst in diesem Raum zu stehen, in dem vor über 60 Jahren tausende von Menschen ermordet und verbrannt wurden, ist einfach unbeschreiblich tragisch. Es mischten sich Gefühle von tiefer Trauer, Wut und Hoffnung. Hoffnung – dass die Geschichte und ihre Relikte wenigstens als Mahnmal für jetzige und zukünftige Generationen dient.

Dabei ist mir wieder einmal klar geworden, das ich als Antifaschistin NIEMALS aufgeben werde, gegen Neonazis, Antisemiten und andere menschenverachtende Ideologien zu kämpfen! Wehret den Anfängen – Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!!!

Nach einer Pause begaben wir uns in den Reisebus und fuhren zum Vernichtungslager Auschwitz II – Birkenau, welches ca. 3 km vom Stammlager entfernt liegt. Dies ist 35 mal größer als das Stammlager.

Die Größe des Lagers übertraf meine Vorstellungen. Insgesamt 12 km Stacheldrahtzaun, der früher unter Hochspannung stand und die KZ-InsassInnen von der Flucht abhalten sollte, umzäunten das große Gelände. 1943 waren hier über 100.000 Menschen inhaftiert. Durch die Haupteinfahrt, auch „Todestor“ genannt, wurden seit Mai 1944 Häftlinge direkt in das Lager deportiert. Anschließend erfolgte die Selektion. Die ankommenden Menschen wurden von SS-Ärzten in arbeitsfähig und arbeitsunfähig getrennt. Kranke, Alte, Kinder und schwangere Frauen wurden direkt nach ihrer Ankunft in Auschwitz II – Birkenau in den Gaskammern in den Tod geschickt. Nur etwas 25-30 % der Menschen eines Transports wurden nach der Selektion im Lager untergebracht. Das Gebiet ist kaum überschaubar. Überall, wo mensch hinblickt, sieht mensch Überreste der vielzähligen Baracken, in denen hunderte von inhaftierten Menschen zusammengepfercht untergebracht wurden. Aus schriftlichen Aufzeichnungen der Gefangenen ist zu entnehmen , dass sie vom Stöhnen der sterbenden Menschen, Schweiß- und Fäkaliengestank erfüllt waren. Überall muss es von Läusen und Ratten gewimmelt haben.

Ende 1944 begannen die SS-Männer, die Spuren ihrer Verbrechen zu verwischen. Öfen der Krematorien wurden demontiert. Das, was die SS nicht vernichtete, wurde in die Luft gesprengt.

Die Ruinen der Gaskammer und des Krematoriums II sind geblieben. Angesichts dieser Tatsachen frage ich mich, wie manche Menschen nur daran denken können, den Holocaust zu leugnen. Knochen und Asche der ermordeten Menschen kann mensch noch heute an ein paar Orten auf dem Gelände finden.

Heute befindet sich ein internationales Mahnmal für die Opfer des Faschismus auf dem Gelände. Es wurde 1967 enthüllt. Außerdem gibt an an verschiedenen Stellen Gedenktafeln mit Erläuterungen auf polnisch, englisch, hebräisch und jiddisch. Jeden Tag kommen Menschen her, die zum Gedenken der über eine Million Opfer Blumen, Kränze und Steine niederlegen und Kerzen anzünden. Auch ich habe zum Gedenken einen Stein auf eine Gedenktafel aus Granit am kleinen Teich niedergelegt. In diesen Teich wurde die Asche der verbrannten Menschen geschüttet.“

Am Abend fand im ca. 70 km entfernten Krakau, wo die TeilnehmerInnen der Bildungsreise im Hotel untergebracht waren, ein Treffen mit polnischen Jugendlichen statt. Es wurde über die Eindrücke des Tages, sowie über aktuelle politische Themen gesprochen. In Krakau eröffnete vor wenigen Wochen das Museum „Oscar Schindler Factory“. In Schindlers Fabrik haben über 1100 Jüdinnen und Juden gearbeitet und wurden so vor den Nazis gerettet. Das Museum soll sehr modern, interaktiv und sehenswert sein. Vielleicht wird es das Ziel einer nächsten Bildungsreise…

Die TeilnehmerInnen bedanken sich bei den Organisatoren der Fahrt vom Bündnis für politische Bildung und Antifaschismus!

Übrigens: Am 27. Januar findet der alljährliche der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus statt. Seit 2005 ist der 27. Januar offiziell der internationale Holocaustgedenktag.