Hotel Sächsischer Hof – Folterkeller der SS in Zittau

Gleich nach der faschistischen Machtergreifung am 30. Januar 1933 richtete der SS-Sturm 46 im damaligen Hotel „Sächsischer Hof“ eine „Wache“ ein, die in Wirklichkeit eine Folterstätte für festgenommene Antifaschist_innen  war.

Hans Prodehl trat freiwillig der ehemaligen SS bei und war der Sturmführer des SS-Sturmes. Er führte größtenteils die Vernehmungen und befahl den SS-Leuten, dass diese die Antifaschist_innen misshandeln, wenn nicht die gewünschten Aussagen gemacht wurden.

Die Misshandlungen waren äußerst brutal, die verhafteten Antifaschist_innen wurden mit Gummiknüppel, Ochsenziemern und anderen Schlaginstrumenten tagelang gequält. „Beliebt“ war bei den Peinigern ihren Opfern auch die Zähne auszuschlagen. Andere mussten „strafexerzieren“ und wenn das nicht zur Zufriedenheit der SS erfolgte, hagelte es Schläge.

Am 11.April 1933 folterten SS-Männer in dieser Wache den Antifaschisten Albin Hanspach, Mitglied der KPD, um von ihm Aussagen zu erhalten. Als der  Antifaschist Hanspach sich der Folter zu entziehen versuchte, wurde er von dem SS-Mann Kurt Hanisch aus nächster Nähe gezielt erschossen.

Der Antifaschist Julius Pawel wurde ebenfalls von den SS-Wachen schwer gefoltert. Da er diese Tortur nicht mehr ertrug, erhängte er sich am 22. April 1933 in seiner Zelle.

Diese Untaten konnten erst nach der Niederlage des Faschismus gesühnt werden. Vom 4. bis 7.11.1952 verhandelte der Strafsenat des Bezirksgerichtes Dresden (1a KLs 186/52) im Gebäude des heutigen Amtsgerichts Zittau und verurteilte die Haupttäter zur Todesstrafe bzw. zu hohen Freiheitsstrafen. Zu bemerken ist, dass sich drei der führenden SS-Täter der gerechten Strafe durch Flucht in den „freien Westen“ entziehen konnten, dort blieben sie unbehelligt.

Prozessakte Sächsischer Hof

Am 24. November 1952 veröffentliche die Sächsische Zeitung im Lokalteil Zittau nachfolgenden Artikel zum Prozess:
Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesühnt
Vom 5. bis 7. November 1952 verhandelte der Strafsenat des Bezirksgerichts Dresden im Strafverhandlungssaal. des Kreisgerichts Zittau gegen die ehemaligen SS-Angehörigen Hanisch, Prodehl, Zurek, Söhnel, Zschuppe und Tappert.
In Zittau hatte der SS-Sturm 48 unter Leitung  des Sturmführers Phrodehl die Aufgabe, die Klassenkampforganisationen des Proletariats zu zerschlagen. Arbeiterfunktionäre und auch andere Personen, die Irgendwie „verdächtig“ waren, antifaschistisch eingestellt zu sein, wurden ohne rechtliche Grundlage willkürlich festgenommen. Haftbefehle gab es nicht. Stattdessen wurden die Antifaschisten mit Fußtritten und Faustschlägen zum SS-Wachlokal (Sächsischer Hof — später Alte Sparkasse) geschleppt. Auch richterliche Vernehmungen, wie sie selbst in einer formalen, bürgerlichen Demokratie nach einer Verhaf6tung üblich sind, entfielen.
Es wurden Methoden des Verhörs angewandt, wie wir sie als Parallele nur noch im Mittelalter finden. Etwa 20 Zeugen wurden vernommen, die die grauenvollen Taten der SS-Banditen des Sturmes 46 am eigenen Leibe während der ersten Verhaftungswelle vom März bis November 1933 zu spüren bekommen hatten. Fußtritte und Faustschläge gehörten zum „guten Ton“. Aber auch Zähneausschlagen und -ausbrechen waren tägliche Praktiken der SS-Leute.
Um den Tag der sogenannten Machtübernahme irgendwie zu rechtfertigen, brauchte man Geständnisse in der Form, dass die Kommunisten den bewaffneten Aufstand vorbereitet hätten. Fielen die Aussagen der widerrechtlich Festgenommenen nicht dementsprechend aus, und sie konnten es auch gar nicht, wurden die Antifaschisten barbarisch geschlagen.
Besonders häufig kam es vor, dass die Festgenommenen über –  einen Schreibmaschinentisch gelegt wurden und mit Gummiknüppeln, zerlegten Autoschläuchen und anderen Schlaggegenständen bis zu 200 Hiebe hintereinander bekamen. Wer das Bewusstsein verlor, wurde mit Wasser übergossen und die Prügelei ging weiter. Die am ganzen Körper blutig Geschlagenen wurden im Anschluss daran durch eine Falltür in den Kellerraum gestoßen, wo sie zum Teil tagelang schmachten mussten. Dieser Keller besaß weder Tages – noch elektrisches Licht. Als Liegemöglichkeit war etwas Stroh verteilt, das aber angesichts der Tatsache, dass die Festgenommenen ihre Notdurft ebenfalls Im gleichen Raum verrichten mussten, verwest war.

Quelle: Sächsische Zeitung, Lokalteil Zittau, 24.11.1952

Heute befindet sich an der sogenannten Neustadtküche, dem ehemaligen „Sächsischen Hof“ in Zittau, gegenüber dem Gebäude der heutigen Sparkasse (Frauenstraße), eine Gedenktafel für die zwei im Frühjahr 1933 von den Faschisten ermordete Antifaschisten: Albin Hanspach und Julius Pawel.
Die Inschrift lautet:
„In diesem Haus wurden 1933 unsere Genossen gemartert
Dabei ließen ihr Leben
Alwin Hanspach 11. März 1933
Juluis Pawel 22. April 1933“

Quellen:
Revolutionäre und Kämpfer der ersten Stunde des Kreises Zittau

Geschichte der Arbeiterbewegung des Kreises Zittau

Geschichte der Kreisparteiorganisation Zittau der SED ( 1830 – 1986 ) Heft 3 ( 1830 – 1945 )

Antifaschistischer Widerstandskampf der KPD und KPTsch in den Grenzgebieten der Oberlausitz und Liberec / Varnsdorf 1933 – 1938

Revolutionäre Kämpfer und Aktivisten der ersten Stunde des Kreises Zittau

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