Das KZ-Außenlager Kamenz-Herrental

Im Kamnzer Herrental ist eine KZ-Gedenkstätte im Entstehen.

Im Kamnzer Herrental ist eine KZ-Gedenkstätte im Entstehen.

In einer stillgelegten Tuchfabrik richtete die SS im November 1944 ein Außenlager des KZ Groß-Rosen ein.
Als Unterkunft dienten leergeräumte und mit Stroh ausgelegte Säle des Fabrikgebäudes. Auf dem Dachboden wurden erkrankte Häftlinge im sogenannten „Krankenrevier“ untergebracht. Die hygienischen Einrichtungen waren völlig unzureichend.
Die zur Zwangsarbeit in der Elster GmbH angeforderten KZ-Häftlinge kamen in mehreren Transporten nach Kamenz. Bereits im Dezember 1944  trafen 112 französische Häftlinge aus dem KZ Groß-Rosen ein. Viele von ihnen waren ehemalige Resistance-Kämpfer, die von der Deutschen Wehrmacht entsprechend des berüchtigten Keitel-Befehls in Nacht-und-Nebel-Aktionen aufgegriffen waren und über mehrere KZ, wie Hinzert, Buchenwald, Flossenbürg und Auschwitz, nach Kamenz kamen.
Der größte Transport mit 750 für die Flugzeugmotorenproduktion ausgesuchten Häftlingen traf am 26. Januar 1945 aus dem KZ Flossenbürg ein. Der größte Teil dieser Häftlinge waren ehemals nach Deutschland verschleppte Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, die der SS als KZ-Häftlinge bedingungslos zur „Vernichtung durch Arbeit“ ausgeliefert waren.

Lagerführer war der SS-Oberscharführer Wirker, seit 1933 NSDAP-Mitglied und seit 1941 Angehöriger von SS-Wachmannschaften verschiedener Konzentrationslager. Er wurde im August 1945 verhaftet und für seine Verbrechen verurteilt.
Die „Täter in Nadelstreifen“ aus der Betriebsleitung der Elster-GmbH konnten sich ihrer Verantwortung entziehen. Die Elster-GmbH – die Tarnbezeichnung eines nach Ostsachsen verlagerten Rüstungsbetriebes der Daimler-Benz AG – war der eigentliche Nutznießer der Sklavenarbeit der KZ-Häftlinge. Vom Herrental wurden die Häftlinge zur Arbeit in Schichten von zwölf Stunden zur Glashütte, in die der Betrieb aus dem Elsaß verlagert war, getrieben.

182 gemarterte Häftlinge
Am 10. März 1945 erfolgte mit dem Abtransport der Häftlinge die Auflösung des Außenlagers. 690 noch lebende Häftlinge wurden im Bahnhof Wiesa in dort bereit stehende Güterwagen der Deutschen Reichsbahn zu je 150 Personen gepfercht. Der Transport ging über das KZ Mauthausen in das KZ Dachau. Von dort wurden auch die Kamenzer Häftlinge in mörderischen Fußmärschen in die Alpen getrieben.
Das Schicksal von mindestens 182 Häftlingen vollzog sich hier in Kamenz. Ihre Namen sind bekannt und wurden auf Tafeln in der Gedenkstätte genannt und aus der Anonymität hervorgehoben.

Feierliche Übergabe am 7. Juli 2011
Am 7. Juli 2011 wurde die neugestaltete Gedenkstätte „KZ-Außenlager Kamenz-Herrental“ in einer würdigen Veranstaltung der Öffentlichkeit übergeben. Wolfgang Teichert, Vorsitzender des „Fördervereins Gedenkstätte KZ-Außenlager Kamenz-Herrental e.V.“, schrieb dazu folgende Worte:
Fast 20 Jahre hat es gedauert, ehe mit Hilfe von Fördermitteln des Freistaates Sachsen und der Europäischen Union mit der Renaturierung dieses landschaftlich reizvollen Tales begonnen werden konnte. Unübersehbar waren die immer mehr verfallenden Industrieruinen. Mit einem frühzeitigen Beschluss setzte die Stadtverordnetenversammlung bereits im Jahr 1990 ein Zeichen für die angestrebte Renaturierung im damaligen „Tal der Widerstandskämpfer“.
Zu dieser Zeit gab es noch keine Vorstellungen, hier einmal eine Gedenkstätte zu errichten. Eine schlichte Granit-Tafel erinnert seit 1952 daran, dass hier KZ-Häftlinge für die Rüstungsindustrie bis zur totalen Erschöpfung arbeiteten, Hunger und Krankheiten erlitten und, wenn sie aus Sicht der Täter nicht mehr brauchbar waren, umgebracht wurden.

Quelle: Förderverein Gedenkstätte KZ-Außenlager Kamenz-Herrental e.V.

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