weitere Stolpersteine in Zittau verlegt

Am 01. August 2015 wurden vier weitere Steine, die ehemaligen Mitbürgern gewidmet sind, die als Juden galten und deren Schicksal in Auschwitz endete, in Zittau verlegt. Sie erinnern an Familie Duneck an der Theodor-Körner-Allee 13, Paul Hauck an der Friedrich-Haupt-Straße 16 und an Albert Müller.Dazu erhielt Zittau den ersten Stolperstein für ein Opfer der "Aktion T4", der Vernichtung von psychisch und körperöich erkrankten Menschen. Der so genannten Euthansie fielen 70.000 Menschen zum Opfer, darunter Albert Müller. Kurzbiografie Paul Hauck, Friedrich Haupt-Strasse 16 (Einwohner Verzeichnis 1938 und Liste 1942) Paul Hauck wurde am 6.Juli 1882 in Rentschen, Verwaltungsbezirk Zillichau/Guben geboren. Seine Eltern sind Eduard Hauck und Ernestine, geborene Born.  Paul Hauck ist verheiratet mit Frieda Hauck, geb. Selzer oder Stelzer aus Zittau. Er hat den Beruf eines Buchprüfers. Anfang April 1920 wird die Tochter Ruth-Erika in Leipzig geboren, sie gilt später, nach Einführung der “Nürnberger Rassegesetze“ als Mischling 1. Grades. Paul Hauck ist bis 1936 bei der Firma Porsche & Co. in der Mittelstraße und als Handelsvertreter beschäftigt. Wie John Duneck, beantragt auch Paul Hauck eine Reiselegitimationskarte für das Jahr 1938. Diese Karte wird ihm vom Gewerbeamt Zittau verweigert. Laut einer Liste von 1942, wird Paul Hauck mit 4 anderen, noch vorhandenen männlichen Juden durch die Polizei verpflichtet, auf dem jüdischen Friedhof in Zittau alle Eisenteile abzumontieren.  Am 11.Januar 1944 wird er im Transport „V10“ von Dresden nach Theresienstadt gebracht. In Theresienstadt dürfte er die „Stadtverschönerung“, den Besuch des IKRK und den Dreh des Propagandafilms erlebt haben. Am 28.10. 1944 wird Paul Hauck mit dem letzten Transport von Theresienstadt (EV) nach Auschwitz deportiert. Bei diesem Transport fand die letzte Selektion statt, am 2.November endete die Tötung mit Zyklon B. Der Transport EV hatte 2038 Insassen von denen 1859 ermordet wurden. Paul Hauck war nicht unter den 171 Überlebenden des Transports. Kurzbiografie Familie Duneck, Theodor Körner-Allee 13 John, Erna und Dorothea Duneck Er wurde 1893 in Königsberg geboren. Sie 1892 in Gilgenburg bei Allenstein ebenfalls in Ostpreußen. Er meldet sich 1914 als Kriegsfreiwilliger und wird 1918 als Vizefeldwebel entlassen. John heiratet Erna, geborene Feibusch, sie zieht nach Königsberg zu ihrem Mann. Dort werden ihre beiden Kinder geboren: Dorothea (1924) und Georg. Laut Zittauer Adressbuch betreiben sie von 1930-1934 ein Schuhgeschäft mit der Alleinvertretung der Firma „Salamander“ in der Inneren Weberstrasse 17, später in der Frauenstrasse 4 ein Schuhwaren- und Textilgeschäft, 1934 wird ein Konkurs angemeldet. Seit 1933 braucht John Duneck eine „Legitimationskarte für Kaufleute und Handelsreisende“, vom Gewerbeamt nuar 1938 sollen laut Staatspolizeileitstelle Dresden jüdische Handelsvertreter grundsätzlich durch arische Vertreter ersetzt werden, den jüdischen Vertretern ist die Legitimationskarte zu entziehen, Begründung: grundsätzlich politisch unzuverlässig! Die Karte wird im April 1938 mit eben jener Begründung entzogen. John Duneck wehrt sich, schöpft alle juristischen Möglichkeiten aus. Nach längerem Hinhalten beschließt das Sächsische Oberverwaltungsgericht am 14.12.1938 die Rechtmäßigkeit der Entziehung, die Ablehnung der Klage, zu Kosten des Klägers. Familie Duneck zieht wahrscheinlich 1938 nach Berlin Spandau in die Achenbachstrasse 7, zu Foerder. Von dort werden John und Erna Duneck am 19.04.1943, mit dem „37. Osttransport“ nach Auschwitz deportiert(681 Insassen). Ihre Tochter Dorothea wurde schon am 3.3. 1943, mit dem „33. Osttransport“ nach Auschwitz deportiert(1726 Insassen). Beide Transporte fuhren vom Güterbahnhof Putlitzstraße am Berliner Westhafen. Ein Mahnmal erinnert heute auf der Putlitzbrücke an den damals größten Deportationsbahnhof Berlins.  Der überlebende Bruder Georg gab die Daten, versehen mit den jeweiligen Passbildern wahrscheinlich am 1.Mai 1999? [unleserlich] an die zentrale Datenbank der Holocaustopfer in Yad Vashem/Jerusalem. Eine weitere Nachforschung, eine mögliche Verwandtenanfrage in Omer Israel verlief bisher ohne Ergebnis. Kurzbiografie für Herrn Albert Müller Albert Müller wird am 23.4.1885 in Olbersdorf geboren, wo er auch zur Schule geht. Im August 1908 heiratet er seine Frau Martha und wohnt in der Goldbachstraße 59 in Zittau. 1909 wird der erste Sohn, Walter geboren, er kommt im 2. Weltkrieg ums Leben. 1913 wird Hilde und 1921 der zweite Sohn, Erich geboren. Albert Müller arbeitet ab 1912 bis 1929 in der Lohnbuchhaltung, im Kontor der Zittauer Phänomen Werke.  1929 geht Albert Müller aufgrund einer psychischen Erkrankung für 6 Monate in die Landesheil- und Pflegeanstalt Großschweidnitz, eine erneute Einlieferung erfolgt im Sommer 1931. Er schreibt 1929 an seine Frau und seine Kinder, fühlt sich an seiner Erkrankung schuldig, die ungeklärte Versorgung seiner Familie versetzt ihn in Unruhe, er nimmt seine Hilflosigkeit, seine Verlassenheit und seine zunehmende Rechtlosigkeit wahr. 1935 wird er, wie die meisten psychisch Erkrankten sterilisiert.  Von Großschweidnitz wird Albert Müller am 20.9.1940 in die vormalig sehr fortschrittliche Heil- und Pflegeanstalt auf den Pirnaer Sonnenstein „verlegt“. Dort wird er wahrscheinlich unmittelbar nach der Ankunft, im Rahmen der „Aktion- T4“ ermordet. T4 bezeichnet eine sogenannte Zentraldienstelle in der Berliner Tiergartenstraße 4, einer Tarnorganisation für die Durchführung der Ermordung vom psychisch und physisch erkrankten Menschen. Der Mord mit Kohlenmonoxid gilt als Versuch für die ersten Vernichtungslager im besetzten Polen - wie in Chelmno und Sobibor.  Um Spuren der Ermordung zu verwischen, wird die Asche von Herrn Müller von Grafeneck an das Friedhofsamt in Zittau geschickt, in Grafeneck findet sich keine Spur von Albert Müller. In der „Aktion -T4“ wurden 70 000 Menschen ermordet - Albert Müller wurde 55 Jahre alt. Quelle: Text, Armin Pietsch, Hillersche Villa gGmbH/NETZWERKSTATT
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