PM 28.11.2010: JUGEND FÜR EUROPA unterstützt Zittauer Jugendliche

Aus einem Zusammenschluss junger Menschen aus Zittau und Umgebung, bestehend aus StudentenInnen, ArbeiterInnen, Arbeitssuchenden und Schülerinnen entstand im Sommer diesen Jahres die „Initiative für eine lebendige Gedenkkultur“.

Im Rahmen ihrer ehrenamtlichen Arbeit erforschen die jungen Projektmitglieder Gedenkstätten der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft im Dreiländereck von Polen, Deutschland und der Tschechischen Republik. Dabei sollen u.a. Zeitzeugengespräche helfen, die Geschichte zu rekonstruieren, die zur jeweiligen Entstehung der Denkmäler in der Umgebung führte. Die Zeitzeugeninterviews wie auch die Projektarbeit sollen durch Videokamera und Fotoaufnahmen dokumentarisch begleitet werden. Ziel ist es zum Ende des Projektes eine Broschüre in deutscher, polnischer und tschechischer Sprache zu veröffentlichen, in der die Ergebnisse der Nachforschungen dokumentiert sind. Damit soll das gesammelte Wissen auch für zukünftige Generationen zu erhalten werden.

In der 14-köpfigen Projektgruppe kann sich jeder entsprechend seiner Fähigkeiten und Fertigkeiten einbringen und weiterentwickeln. So gibt es beispielsweise einen Mediengestalter, der für die Bearbeitung der Broschüre sowie für das Schneiden der Videos zuständig ist und mehrere Menschen mit verschiedenen Sprachkenntnissen.

Durch das gemeinsame Erarbeiten des Projektes soll auch die Toleranz und das Verständnis zwischen den Teilnehmern, die aus unterschiedlichen sozialen Schichten kommen, gefördert und der grenzüberschreitende Dialog und Austausch gestärkt werden.

Dabei steht den jungen Menschen ein Coach zur Seite. Der Diplom Sozialpädagoge aus Görlitz hat bereits Erfahrungen im sensiblen Umgang mit Zeugen des Nationalsozialismus und der Aufbereitung der Geschichte. Ebenso wird er die Gruppe bei der Reflexion ihrer Arbeit begleiten.

Finanziell unterstützt wird die Initiative vom EU-Programm „Jugend in Aktion“, bei der sich junge Menschen mit ihrer Projektidee bewerben können.

„Als ehrenamtliches Projekt sind wir auf finanzielle Unterstützung angewiesen und über jede Hilfe dankbar. Wir interessieren uns für die Geschichte in unserer Region. Wer selbst Zeitzeuge der grausamen Taten der Nationalsozialisten wurde und unsere Dokumentation der Denkmäler durch seine Erfahrungen bereichern möchte, ist herzlich dazu aufgerufen, sich an die Projektgruppe zu wenden“, teilt Tuomo Neumann mit.

Das Projekt startet Anfang Dezember 2010 und soll über einen Zeitraum von 18 Monaten laufen. Ein Großteil der Arbeit wird darin bestehen, die Archive der Gemeinden und Städte nach brauchbaren Informationen zu durchforsten. Mit ihrem Engagement möchten die Jugendlichen nicht nur zeigen, dass sich auch junge Menschen für ihre Heimat interessieren, sondern auch, wie viele geschichtsträchtige Orte es in unserer Region gibt. Darüber hinaus sollen Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit abgebaut und ein demokratisches Miteinander gefördert werden.

Auch an verschiedenen Orten im Dreiländereck gedenken jedes Jahr an Tagen wie dem 27. Januar (Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus statt) oder dem 8. Mai – Tag der Befreiung viele Menschen den Opfern der NS-Diktatur. Als Grund für die geringe Teilnahme von jungen Menschen an derartigen Veranstaltungen vermuten die Initiatoren die Unwissenheit über die Geschichte. Mit ihrem Projekt wollen sie junge Menschen für geschichtliche Themen sensibilisieren und zeigen, dass es auch in einer Kleinstadt wie Zittau möglich ist, Jugendprojekte mit begrenzten finanziellen Möglichkeiten auf die Beine zu stellen.

„Gerade aufgrund der aufgekommenen Diskussion über die Wiedereinführung der Grenzkontrollen im Dreiländereck und dem mitschwingenden bedrohlichen Nationalismus wollen wir mit diesem Projekt ein Zeichen für einander verstehen und voneinander lernen setzen. Intoleranz und übersteigertes Nationalempfinden haben unter anderem zum Nationalsozialismus geführt. Die Erforschung und Dokumentation der Geschichte der Denkmäler und Gedenkstätten soll somit eine Mahnung sein, dass Derartiges nie wieder passiert. Gleichzeitig wollen wir mit dem Projekt unseren Anteil an der Aufklärung über den europäischen Gedanken des friedlichen Miteinander, der gegenseitigen Akzeptanz und Toleranz leisten“, erklärt Elisabeth Böhme, Mitglied der Initiative.

Interessierte können sich unter folgender Adresse an die Projektgruppe wenden:

Initiative für eine lebendige Gedenkkultur

co. Infoladen Zittau

Äußere Weberstraße 2

02763 Zittau

Emailadresse: gedenkkultur@infoladen-zittau.de

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Gedenkkultur.info, c/o. Infoladen Zittau, Äußere Weberstraße 2, 02763 zittau