1-mai-2918-genossen-der-kpd-aus-berthelsdorf-und-bernstadt

Die Gründung der Ortsgruppe der KPD in Berthelsdorf ihre politische und organisatorische Tätigkeit in der Gemeinde

Da für die Bildung einer selbständigen Ortsgruppe in Berthelsdorf zunächst noch nicht genügend Genossen organisiert waren, traten Genosse Hugo Klemm, die Genossen Friedrich und Reinhold Hentschke aus Neundorf / Großhennersdorf, der Genosse Richard Kutter aus Berthelsdorf und Genosse Erich Köcher, Kunnersdorf-Bernstadt der Ortsgruppe Bernstadt bei. Gleichzeitig organisierten sie sich im Roten Frontkämpferbund. Ab 1929 wurden die Berthelsdorfer eine selbständige Zelle der Ortsgruppe Bernstadt in Berthelsdorf. So konnte die Partei bei den Wahlen im Ort eigene Kandidaten aufstellen. Dadurch konnte erstmalig ein Genosse der KPD, und zwar Richard Kutter, in die Gemeindevertretung gewählt werden.

Verhängnisvoll waren die Folgen der großen Wirtschaftskrise ab 1929. Hunger und Not zogen ein bei den Erwerbslosen und ihren Familien. Auf Grund der aktiven politischen Arbeit der Berthelsdorfer Genossen im Ort sowie in der Gemeindevertretung und der sich ständig verschlechternden wirtschaftlichen Lage der Werktätigen, wie hohe Arbeitslosigkeit und Abbau sozialer Errungenschaften durch die Notverordnungen der Regierung Brünnig sowie der aufkommende Faschismus und erneute Kriegsgefahr veranlassten viele Arbeiter aus der Gemeinde, den Schritt in die KPD zu tun.

Damals ging der Einfluss der Sozialdemokratie auf die arbeitenden Massen rasch zurück. So traten im Februar 1932 auf einmal eine größere Gruppe Werktätiger, darunter ehemalige Mitglieder der SPD, der Ortsgruppe der KPD bei. Dadurch und durch weitere Beitritte konnte nun eine eigene Ortsgruppe gebildet werden.
1932 gehörten folgende Genossinnen und Genossen der Ortsgruppe an:
Richard Kutter, Herbert Marx, Liesel Kutter, Hildegard Marx, Martin Hennig, Gustav Falz, Josef Mosch, Erich Richter, Walter Künzel, Oskar Schneider, Ewald Hentschel, Fritz Tschupke, Willi Schäfer, Karl Hentschke, Heinz Bittrich, Willi Christoph, Willi Hamann, Paul Tschupke, Gerhard Gude, Alfred Jähne, Max Petschke, Lene Tschupke, Fritz Stephan und Fritz Vogt

Die Ortsgruppe verstand es, viele Sympathisanten um sich zu scharen und zur Mitarbeit zu gewinnen. So z.B.: Dietze, Max, Jautze, Paul, Schöne, Alwin, Gerhard und Bertha Jähne und den Jugendlichen Walter Worm, der dann nach der Machtergreifung des Faschismus unter dem Namen „Peter“ eine wichtige Rolle spielen sollte. Er wurde zur illegalen Grenzarbeit eingesetzt und ein Jahr zur Reichswehr delegiert, um Material der Kriegsvorbereitung der Faschisten der Leitung zu überbringen. Nur durch die Einhaltung der konspirativen Regeln und vor allem der Standhaftigkeit einiger Genossen konnte sein Leben gerettet werden, denn sonst wäre er wegen Hoch- und Landesverrats hingerichtet worden.

Zum politischen Leiter der Ortsgruppe wurde Genosse Richard Kutter gewählt, der zu diesem Zeitpunkt über die größten politischen Erfahrungen verfügte und sich mit seiner ganzen Person für die Ortsgruppe einsetzte. Er war schon 1926 der Betriebsgruppe der Phänomenwerke Zittau beigetreten, wo er als Metallarbeiter beschäftigt war und politische Erfahrungen im politischen Kampf sammeln konnte. Bald darauf wurde er entlassen und arbeitslos.

Auf Grund der aktiven und selbstlosen Arbeit der Genossen der Ortsgruppe wurden bei den Gemeindewahlen 1932 6 Kommunisten in die Gemeindevertretung gewählt. Vor der Wahl war das Verhältnis so: 6 SPD — 1 KPD; nach der Wahl: 1 SPD — 6 KPD. Bei den Reichstagswahlen am 6. November 1932 erhielt die KPD 6 Millionen Stimmen und 100 Abgeordnete im Reichstag.

Bei diesen Wahlen erreichten in der Gemeinde KPD — SPD mit über 800 Stimmen die absolute Mehrheit bei knapp 2000 Einwohnern und zu den Wahlen im März 1933 unter den Bedingungen des faschistischen Terrors und der Verfolgung der Mitglieder der Partei stimmten noch 300 Einwohner für die KPD. Das war ein Ausdruck des Vertrauens der Werktätigen, da die Ortsgruppe bis dahin konsequent die Interessen derjenigen annahm, die am meisten von der Krise betroffen waren.

So wurde noch im Sommer 1931 in der Gemeinde ein Erwerbslosenrat gegründet, dessen Vorsitzender Genosse Josef Mosch wurde, der eine große Aktivität entfaltete.

Die Fraktion der KPD in der Gemeindevertretung und der Erwerbslosenrat brachten den Vorschlag ein, das Brot für die Erwerbslosen selbst in eigener Regie zu backen. Dazu sollte die Gemeinde Geld vorschießen. Die bürgerlichen Parteien waren dagegen. Nach harten Auseinandersetzungen und durch den Druck der Arbeitslosen musste der Gemeinderat zustimmen. Das Getreide wurde bei den Kleinbauern aufgekauft, gemahlen und zwei Bäcker gewonnen. So konnte ein Brot für 45 Pfennige abgegeben werden, sonst kostete es 60 Pfennige.

Die Fraktion der KPD veranlasste auch die Gemeinde, Holz kostenlos an die Erwerbslosen auszugeben. Dazu wurde das stark gewordene Holz der Sträucher rund um den Forellenteich ausgewählt und geschlagen. So konnte wieder ein Winter überbrückt werden. Es gab auch Pläne, selbst zu schlachten, um so den Arbeitslosen ab und zu einmal ein Fleischgericht zu ermöglichen.

Auf Initiative der Ortsgruppe, insbesondere der Genossin Liesel Kutter und Genossen Gustav Falz, wurde 1932 ein Mutterschutzverein gebildet. Dadurch, dass sich die Partei der Sorgen der Frauen  annahm und auf vielfältige Weise mit den Eheleuten ins Gespräch kam, fand die Politik der KPD wachsendes Vertrauen.

Als im Oberland (Neugersdorf/Ebersbach) ein Streik der Textilarbeiter ausbrach, organisierte die Ortsgruppe eine Solidaritätsaktion. Es wurde eine Sammlung von Lebensmitteln, vor allem bei den Bauern durchgeführt.

So nutzt die Ortsgruppe der KPD ihren Einfluss in der Bevölkerung und in der örtlichen Gemeindevertretung, um auch von dieser Seite den Forderungen der am meisten Ausgebeuteten gerecht zu werden.

Diese Aktionen und der Einsatz der Genossen und Sympathisanten bei allen Aktionen und der Wahrnehmung der Interessen der Werktätigen trug dazu bei, dass die Ortsgruppe Berthelsdorf mit zu den aktivsten Ortsgruppen der KPD in der Region gehörte und auch bei der Umstellung auf die Illegalität der Partei eine wichtige Rolle spielen konnte.

Die Machtergreifung durch den Faschismus im Januar 1933, der provozierte Reichstagsbrand, die Verfolgung und Folterung der Parteimitglieder und der Übergang zur illegalen Arbeit war dadurch kompliziert und schwierig. Nicht alle Genossen waren diesen neuen Anforderungen gewachsen. Angst und Ungewissheit ergriff einige Mitglieder, weil eine weitere Tätigkeit für die Partei den Verlust ihrer Existenz und ihre Verfolgung einbrachte. Die Unterbezirksleitung Zittau – Löbau führte für diese Aufgabe mit dem Genossen Rolf Axen in der Nähe des Güterbahnhofes in Zittau Schulungen durch und veranlasste die Bildung von Fünfergruppen. Von der Ortsgruppe wurde Genosse Josef Mosch dazu delegiert. Die Partei sollte unbedingt geschützt und arbeitsfähig erhalten werden.

Nach dem Reichstagsbrand im Februar 1933 wurde zuerst der Vorsitzende der Partei, Genosse Richard Kutter, verhaftet. Ihm wurde der Prozess gemacht und er zu Zuchthaus verurteilt.

Nun bildete sich im Oberdorf eine Widerstandsgruppe heraus, die bis 1937 eine stabile Verbindung mit der neuen Unterbezirksleitung, die ihren Sitz in Grottau/Dönis/Pass (Hradek n. Nis.) in der CSR, hatte. Leiter dieser Gruppe war Genosse Josef Mosch, der umsichtig und mutig diese Tätigkeit bis zu seiner Verhaftung 1935 ausübte. Er setzte die Genossen ein, sorgte für sichere Verstecke der illegalen Literatur und stellte Quartiere für Funktionäre aus der Emigration zur Verfügung.

Die neue Unterbezirksleitung über der Grenze versuchte nun, die Verbindung mit den einzelnen Widerstandsgruppen aufzunehmen. Der in der Emigration lebende Genosse Gerhard Donath und später Genosse Schmittinger, genannt Karl, aus Berlin waren für unseren Bereich verantwortlich und suchten illegal Genossen Josef Mosch auf und beauftragten ihn, einen zuverlässigen und geeigneten Genossen zu beauftragen, der als Kurier die Verbindung mit der Widerstandsgruppe und der neuen Unterbezirksleitung herstellt. Nach einer Aussprache in der Gruppe wurde Genosse Walter Warm in diese Widerstandsgruppe aufgenommen mit dem Auftrag, unter dem Namen „Peter“ als Kurier tätig zu werden. Als Kurier bestand die Aufgabe darin, Kontakte herzustellen, um die Partei aktions- und kampffähig zu erhalten, Nachrichten zu übermitteln, den Literaturvertrieb zu organisieren und Erfahrungsaustausche durchzuführen, z. B. über die Arbeit der Polizei und der Gestapo.

Die illegale Literatur wurde über die Linie Hirschfelde – Burkersdorf/Schlegel – Neundorf/Großhennersdorf nach Berthelsdorf, als Plättwäsche getarnt, transportiert. Zeitweilig kam auch Literatur und Flugblätter über Ebersbach nach Berthelsdorf, die bei Bertha Jähne und Alwin Schöne hinterlegt wurde.

Außer seiner Tätigkeit als Kurier hatte Genosse Worm die Aufgabe, diese Literatur nach Kunnersdorf, Bernstadt und später auch nach Kemnitz zu bringen, um sie dort bestimmten Genossen zur Weiterverbreitung zu übergeben. Es gelang ihm auch im Laufe der Zeit, die Verbindung mit einer Gruppe der SAP, die unter der Leitung des Genossen Martin Svanjack stand, in Kemnitz herzustellen, die gern unsere illegale Literatur abnahm. Außerdem wurden zu bestimmten Anlässen Flugblattaktionen durchgeführt, wie z. B. nach dem Februar-Aufstand 1934 der Arbeiter in Wien.

Um die Arbeit der Partei zu verbessern, die nun in tiefster Illegalität tätig war, fand im November 1934 in der Dämmerung unter freiem Himmel auf der Flur der Gemeinde Kemnitz, nahe der Gaststätte „Zum Russen“ eine geheime Beratung statt. Organisiert wurde dieses Treffen für den Raum Berthelsdorf-Bernstadt vom Genossen Josef Mosch.

Teilnehmer dieser Beratung waren die Genossen: Richard Krinke, Emil Palme, Erich Köcher, Wilhelm Schneider, Josef Mosch

Diese Beratung fand unter der Leitung des Beauftragten des ZK der KPD, Gen. Emil Schmittinger („Karl“), aus Berlin statt. Nach der Berichterstattung der einzelnen Genossen über die Lage in ihren Gemeinden und die bisherige Arbeit gab Genosse Schmittinger Hinweise für die weitere politische Arbeit und über Beschlüsse der Partei.

Schwerpunkte der Beratung waren: Überwindung jeglichen Sektierertums, Annäherung und Einbeziehung aller Gegner des Hitlerfaschismus, wie Mitglieder der SPD, Christen, Angehörige des fortschrittlichen Bürgertums, ja sogar unzufriedene Mitglieder der NSDAP, soweit sie uns wichtige Informationen geben konnten. Es wurde die Losung herausgegeben, in die faschistischen Massenorganisationen einzutreten, um die Kontakte mit den Massen nicht zu verlieren. Ziel sei die Schaffung einer breiten Einheitsfront aller Hitlergegner und Antifaschisten, weil nur durch eine Massenbewegung der Faschismus zu überwinden ist. Es wurde die Aufgabe gestellt, neue Dreiergruppen zu schaffen und neue Widerstandskämpfer zu gewinnen, damit die Arbeit der Partei bei neuen Verhaftungen weitergehen kann. Abgeschirmt wurde diese Beratung durch die Kinder der anwesenden Genossen.

Genosse Schmittinger war damals derjenige Genosse, der vom Politbüro unserer Partei 1935 zur Brüsseler Konferenz delegiert wurde, die bekanntlich aus konspirativen Gründen in Moskau stattfand. Dort hat er u. a. auch über seine Erfahrungen der illegalen Arbeit im Raum Ostsachsen Bericht erstattet.

Nach der Verhaftung der Genossen Josef Mosch, Gerhard Gude, Liesel Kutter, Walter Künzel, Ewald Hentschel, Alwin Schöne und Willi Schäfer im Jahre 1935 und ihre Verurteilung 1936 hat Genosse Worm diese Tätigkeit bis in das Jahr 1937 hinein selbständig weitergeführt. Zu diesem Zeitpunkt wurden die Leitungen an der Grenze aufgelöst. 1940 wurde auch er wegen Vorbereitung zum Hochverrat verhaftet und in Untersuchungshaft genommen im Zusammenhang mit dem Prozess gegen Genossen Svanjack.

Im Dorf gab es danach noch einzelne Genossen und kleine Gruppen von Arbeiter,, wie z. B. Alfred Herrmann, Walther Hahn, Willi Hamann u. a., die gemeinsam den Moskauer Rundfunk abhörten und diese Nachrichten unter ihren Bekannten verbreiteten und diskutierten. Eine Leitung der Partei gab es zu diesem Zeitpunkt auch im Grenzgebiet nicht mehr, weil andere Aufgaben auf der Tagesordnung standen, wie z. B. der spanische Bürgerkrieg, an dem ein Teil dieser Genossen teilnahm.

Gedenkplatte zu Ehren der 2. polnische Armee in Ludvíkovice

Ludvíkovice ist eine Gemeinde im Norden der tschechischen Republik. Sie liegt vier Kilometer nordöstlich des Stadtzentrums von Děčín an dessen Stadtgrenze und gehört zum Kreis Děčín.

Vor einer Schule stand bis zum Jahr 2010 ein Gedenkstein, der mit einer Platte an die Befreiung der Gegend durch die polnische Armee erinnerte. Aufgrund einer angebliche baulichen Maßnahme an der sich davor befindlichen Bushaltestelle wurde der Gedenkstein beseitigt. Die Gedenkplatte liegt nun vor der Schule. (1)

Auf ihr steht sinngemäß:  „Durch Ludvíkovice kamen am 10. Mai 1945 die Einheiten der 5. polnischen Infanterie während der Befreiung von Nordböhmen. Bis zum 13. Mai 1945 folgten die 9. Infanterie Brigade, die 16. Panzerbrigade und das 28. motorisierte Regiment der 2. polnischen Armee unter Führung von General Karol Swierczewsky.“

Karol Świerczewski, (* 22. Februar 1897 in Warschau; † 28. März 1947 in Jabłonki bei Baligród) war ein polnischer Offizier und General im Dienste des bolschewistischen Russland ab 1918, Sowjetrusslands ab 1919, des republikanischen Spaniens als sowjetischer Divisionskommandeur im Spanischen Bürgerkrieg ab 1936 sowie ab 1944 der Armee der Provisorischen Regierung der Nationalen Einheit von Polen.  (2)

Wie das Kriegsende in Decin aussah, dazu nun Petr Joza, der stellvertretende Archivdirektor des Bezirksarchivs in Decin:
„Die Stadt Tetschen-Bodenbach / Decin-Podmokly war eine Kreisstadt und war damals eigentlich fast nur von Deutschen besiedelt. Die militärische Lage war hier bei Kriegsende sehr unübersichtlich. Es gab zersprengte SS-Einheiten, die aus Holländern und Rumänen bestanden. Die zogen hier von Ort zu Ort und waren am 8. Mai in der Stadtmitte von Decin / Tetschen. Am 8. Mai gab es einen russischen Fliegerangriff. Die Russen sind entlang der böhmischen Seite des Erzgebirges in Richtung Elbe gezogen und haben die Orte, die sie noch nicht am Boden erreicht hatten, aus der Luft angegriffen, um ein bisschen Verwirrung zu stiften. Bei diesem Luftangriff sind hier über 300 Menschen ums Leben gekommen. Die Opfer waren Zivilpersonen und auch russische, italienische und polnische Zwangsarbeiter“, so Petr Joza.
Zur gleichen Zeit versuchten tschechische und deutsche Widerstandskämpfer gemeinsam, in der Stadt Decin die NS-Führung abzusetzen und die Leitung der Stadt zu übernehmen. Petr Joza: „Während des Luftangriffs gab es eine Unterredung der hiesigen Antifaschisten mit der NSDAP-Leitung. Unter den Antifaschisten waren sowohl Tschechen als auch Deutsche. Als dann die Bomben fielen, haben die Nazis aufgegeben und sind geflüchtet. Diese kleine Gruppe von Antifaschisten hat dann die Macht übernommen, also das Landratsamt und das Bürgermeisteramt. Die Gruppe bestand aus Tschechen, die hier schon vor dem Krieg gelebt hatten, als tschechische Minderheit, sowie aus deutschen Kommunisten und Sozialdemokraten. Aber es waren nur wenige Leute und die Gruppe musste sich aufteilen. Je vier bis fünf Leute haben das ganze große Amtsgebäude übernommen.“

Kurze Zeit später traf in Decin die zweite polnische Armee ein, die im Verband der Roten Armee kämpfte.

Gedenkplatte

Gedenkplatte

Quellen:

(1)    http://www.vets.cz/wp-content/uploads/2012/09/%C4%8Dasopis_monument_2012_003.pdf

(2)    https://de.wikipedia.org/wiki/Karol_%C5%9Awierczewski

(3)    http://www.radio.cz/de/rubrik/geschichte/tschechische-und-deutsche-antifaschisten-in-decin-nach-kriegsende

PM: Initiative für eine lebendige Gedenkkultur übergab Broschüren an Schulen

Am 08. November 2012 stellte die „Initiative für eine lebendige Gedenkkultur“ im Veranstaltungsraum der Christian Weise Bibliothek das Ergebnis ihrer 18 monatigen Arbeit vor. In diesem Zeitraum haben junge Menschen Gedenkstätten der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und der antifaschistischen Bewegung im Dreiländereck zur polnischen und tschechischen Republik sowie der Bundesrepublik Deutschland erforscht. Entstanden ist eine Broschüre und ein Film über antifaschistische Mahnmale und Gedenkstätten.

„Jeweils zwei Broschüren mit dem entstandenen Film wurden nun der Lehrerschaft an den Mittelschulen in Zittau, Großschönau, Löbau sowie an die Gymnasien in Zittau und Herrnhut kostenfrei zur Verfügung gestellt. Damit verbunden ist die Hoffnung, dass diese in den Unterricht eingebaut und somit dieser für die Schüler noch interessanter gemacht werden kann.“, teilt Tuomo Neumann von der Initiative für eine lebendige Gedenkkultur mit.

Zu erreichen ist die „Initiative für eine lebendige Gedenkkultur“ im Infoladen Zittau, Äußere Weberstraße 2 in Zittau bzw. per E- Mail: info@gedenkkultur.info

„Initiative für eine lebendige Gedenkkultur“ stellte Ergebnis vor

Am 08. November 2012 stellte die „Initiative für eine lebendige Gedenkkultur“ im Veranstaltungsraum der Christian Weise Bibliothek (Neustadt 47 in Zittau) das Ergebnis ihrer 18 monatigen Arbeit vor. Mehr als 20 Menschen folgten der Einladung.

Filmsequenzen wurden gezeigt

Filmsequenzen wurden gezeigt

In diesem Zeitraum haben junge Menschen Gedenkstätten der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und der antifaschistischen Bewegung im Dreiländereck zur polnischen und tschechischen Republik sowie der Bundesrepublik Deutschland erforscht. Entstanden ist eine Broschüre und ein Film über antifaschistische Mahnmale und Gedenkstätten. Aus dieser wurden einzelne Passagen gelesen, Filmsequenzen gezeigt und auch einige Gerichtsakten zitiert.

„Initiative für eine lebendige Gedenkkultur“ lädt für den 08. November ein

Am 08. November 2012 stellt die „Initiative für eine lebendige Gedenkkultur“ um 18 Uhr im Veranstaltungsraum der Christian Weise Bibliothek (Neustadt 47 in Zittau) das Ergebnis ihrer 18 monatigen Arbeit vor. Zu dieser Präsentation lädt die Initiative am Vorabend des Jahrestages der Reichspogromnacht herzlich ein.

In diesem Zeitraum haben junge Menschen Gedenkstätten der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und der antifaschistischen Bewegung im Dreiländereck zur polnischen und tschechischen Republik sowie der Bundesrepublik Deutschland erforscht. Entstanden ist eine Broschüre und ein Film über antifaschistische Mahnmale und Gedenkstätten.

„Intoleranz und übersteigertes Nationalempfinden haben unter anderem zum Nationalsozialismus geführt. Die Erforschung und Dokumentation der Geschichte der Denkmäler und Gedenkstätten soll somit eine Mahnung sein, dass Derartiges nie wieder passiert.“, erklärt Elisabeth Böhme, Mitglied der Initiative.

Das Projekt wurden durch“ Jugend für Europa“ gefördert.

Hinweis: Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechten Parteien oder Organisationen angehören, der rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige Menschen verachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Sowjetischer Soldatenfriedhof in Zittau, Ortsteil Eichgraben

Eingang zum sowjetischen Soldatenfriedhof in Eichgraben

Eingang zum sowjetischen Soldatenfriedhof in Eichgraben

45 vorwiegend sowjetische Soldaten sollen auf dem sowjetischer Soldatenfriedhof in Eichgraben begraben sein. Laut der Ortschronistin Thea Rudolph “starben die meisten an Tuberkulose oder aufgrund des Verzehrs großer Mengen unreifen Obstes“.

Die Übersetzung der kyrillischen Inschrift auf dem Ehrenmal lautet: „Ewige Erinnerung an die Helden, die im Kampf für die Freiheit unserer sowjetischen Heimat gefallen sind“.
Schlicht und einfach steht auf den Gräbern „неизвестный“, übersetzt so viel wie „Unbekannt“.

Quelle: Eigenrecherche

Fremdarbeitslager „Seiferts Höhe“ in Hirschfelde

An vielen Orten entstanden Lager zur Unterbringung von Fremd- und Zwangsarbeitern. So entstand auch eines dieser Lager in Hirschfelde bei Zittau. In dem Fremdarbeitslager waren vor allem italienische und sowjetische Arbeiter untergebracht.

Geschichtlicher Hintergrund:
Im Jahr 1941 ist das Gelände Standort eines Fremdarbeiterlagers für italienische Arbeitskräfte. Bauarbeiten am Flussbett der Neiße und dem Hirschfelder Kraftwerk; sie zählen zu den Haupteinsatzgebieten.
In den Jahren 1942 und 1943 wird für die zusätzliche Unterbringung von „Ostarbeitern“ wird das Fremdarbeiterlager um zahlreiche Wohnbaracken und Funktionsgebäude erweitert. Ein Hauptgrund für den weiteren Arbeitskräftebedarf ist der Bau der Vorschaltanlage im Hirschfelder Kraftwerk.
Etwa 800 Arbeitskräfte verschiedener Nationen waren 1944 im Fremdarbeiterlager untergebracht.

Sichtbar
Die ehemalige Wasch-/Toilettenbaracke ist heute das Vereinshaus der Kleingartenanlage „Einheit“ e.V. an der B99 Ortsteil Hirschfelde. Sie ist noch im Originalzustand, nur die mittleren Fenster wurden erneuert. Die Baracke gehörte zum ursprünglichen Lager für italienische Fremdarbeiter. Um sie herum standen damals noch 4 weitere Baracken, welche auch zur Unterbringung der Arbeiter dienten.

Erinnerung
Am 2.Juni 2010 wurde ein Ehrenhain in Hirschfelde übergeben. Schüler_innen und Jugendliche forschen nach weiteren Erkenntnissen und haben darüber eine Ausstellung konzipiert.

Quellen:
Sächsische Zeitung
http://www.parkschule.info/lager/

Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht in Zittau

Am 09.November 2011 wurde auch im ostsächsischen Zittau an die Opfer der Reichspogromnacht gedacht.

Um 16:45 Uhr lud die „Initiative für eine lebendige Gedenkkultur“ alle Interessierten zu einem Stadtrundgang ein. Etwa 20 Menschen folgten der Einladung und trafen sich am Infoladen Zittau1.
Der Weg führte an den Stolpersteinen  – den kleinen Betonquadern, darauf Messingplatten, die in wenigen Worten an jüdische Menschen erinnern, die während der Nazi- Herrschaft verfolgt und ermordet wurden – von Dr. Max Brinitzer2, Olga Dienstfertig2, Paula und Hermann Keil2 sowie Adolf und Emma Lachmann2 vorbei.  An jedem der Stolpersteine wurde eine Kerze entzündet und mit einem Redebeitrag auf den Leidensweg der ehemaligen jüdischen Mitmenschen in Zittau aufmerksam gemacht.
Der Rundgang endete an dem Standort der ehemaligen Synagoge auf der Lessingstraße in Zittau. Dort wurden vor dem offiziellen Gedenken der Stadt Zittau ebenfalls Kerzen entzündet und mit kleinen Teelichtern das Wort „Shalom“ geformt. Dieses bedeutet zunächst Unversehrtheit, Heil, Frieden; es ist damit nicht nur Befreiung von jedem Unheil und Unglück gemeint, sondern auch Gesundheit, Wohlfahrt, Sicherheit und Ruhe.

Im Anschluss nahmen einige Menschen die Möglichkeit war und besuchten den Gedenkgottesdienst in der katholischen Kirche.
Daran schloss sich das offizielle Gedenken der Stadt Zittau an. Herr Dr. Kurze von der Fraktion der Freien Bürger im Zittauer Stadtrat hielt dieses Jahr eine kurze Rede bevor der Oberbürgermeister Voigt und DIE LINKE einen Kranz niederlegten. Steine, so wie es jüdischer Brauch ist, legten die ca. 50 Anwesenden vor der Gedenktafel ab.

Ein Vertreter der Initiative „Erinnerung und Versöhnung“ lud danach zu dem „Theresienstädter Konzertabend – Musik als Todesverweigerung“ in das Foyer des Zittauer Theaters ein. Dieser Einladung folgten etwa 110 Menschen, weitere Plätze standen nicht mehr zur Verfügung.
Das Konzert erinnerte an musikalische Höhepunkte, die in Hinterhöfen, auf Gängen und Dachböden im Ghetto Theresienstadt zwischen 1942 und 1944 unter schwierigsten Bedingungen stattfanden. Sie sollten die Liebe der inhaftierten Menschen zur Musik demonstrieren – eine Liebe, die ihnen niemand wegnehmen konnte.
Die alte Festungsanlage Theresienstadt (heute Terezin, tschechische Republik) war ab 1941 ein ghettoähnliches Lager für mehr als 80.000 Juden aus ganz Europa. Die Propaganda der Nationalsozialisten stellte den Ort als geruhsames Altersdomizil für Juden mit Pflegepersonal dar. In Wahrheit hausten die Bewohner in verdreckten überfüllten Kasernen, froren, hungerten. 35.000 Insassen starben.
Ab 1942 war Theresienstadt für weitere 76.500 Jüd_innen Durchgangsstation für die Transporte in die Vernichtungslager im Osten. Unter den Inhaftierten befanden sich auch viele ausgezeichnete Musiker_innen, die unter schwierigen Bedingungen zahlreiche Konzerte, Opernvorstellungen sowie Kabarettabende für Mithäftlinge einstudierten und veranstalteten. Auch Zittauer Bürger_innen, jüdischer Herkunft, lebten und starben in Theresienstadt, wurden von dort in die Vernichtungslager transportiert und kamen nicht zurück. 1945 konnte die Rote Armee das Lager befreien.

1 www.infoladen-zittau.de
2 http://www.hillerschevilla.de/cms/de/121/Stolpersteine-fuer-Zittau

November 2011
Mitglieder der Initiative für eine lebendige Gedenkkultur
http://www.gedenkkultur.info/

Stadtspaziergang am 09.November 2011

Anlässlich des Jahrestages der Reichspogromnacht laden wir alle Interessierten zu einem Stadtspaziergang ein. Dieser beginnt 16:45 Uhr am Infoladen Zittau (Äußere Weberstr.2).
Der Spaziergang führt uns vorbei an einigen Stolpersteinen zum Standort der ehemaligen Synagoge auf der Lessingstraße in Zittau. „Stolpersteine, das sind kleine Betonquader, darauf Messingplatten, die in wenigen Worten an jüdische Menschen erinnern, die während der Nazi- Herrschaft verfolgt und ermordet wurden.“, so Tuomo Neumann von der Initiative für eine lebendige Gedenkkultur.

Das KZ-Außenlager Zittau – die „Zittwerke“

Gedenkstein an die Opfer in den ehemaligen Zitt-Werken

Gedenkstein an die Opfer in den ehemaligen Zitt-Werken

Die Zittwerke bestanden von 28.10.1944 – 07.05.1945 in Porajow (früher Großporitsch). Diese waren ein Tarnunternehmen der Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG.

Die Fabrik war 1939 als Zulieferbetrieb für die Junkerswerke eingerichtet worden. Hergestellt wurden vor allem Flugzeugteile und Munition.
Am 29.April 1943 wurde erstmals Zittau und das Gelände des früheren Kriegsgefangenenlagers Porajow als möglicher Standort für die Produktion von kriegswichtigen Flugzeugtypen besichtigt. Auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers, das 1920 abgerissen wurde, war bereits mit einem Kasernenneubau begonnen worden. Die Arbeiten wurden jedoch nach Kriegsbeginn eingestellt und erneut als Internierungslager für Kriegsgefangene genutzt.
Im August 1943 fiel die Entscheidung der Junkerswerke für Auslagerungen, in die Spinnerei und Weberei AG Ebersbach/Sa., die Gebr. Moras AG in Zittau, sowie den Bau von Produktionshallen auf der Kasernenbaubrache in Porajow. Ein bereits bestehender Vertrag zwischen dem Funkhersteller Dr. Seibt Nachf., Nachrichtenmittelfertigung, Berlin-Schöneberg und der Gebr. Moras AG wurde damit aufgehoben und der Berliner Radarproduzent an die Echo-Mühle Olbersdorf verwiesen. Da sich der Flächenbedarf vergrößerte, wurde das Textilunternehmen im September 1943 zur Abstellung von 16 Produktionsarbeiterinnen verpflichtet. Bereits im Oktober 1943 beanspruchte Junkers die gesamte Produktionsfläche der Moras AG für sich. Nach einem Einspruch der Unternehmensleitung der Moras AG, verfügte der neuernannte Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion, Albert Speer, im November 1943 persönlich die Stilllegung des Werkes. Noch im November wurde mit der Verlagerung der Produktionsmaschinen von Dessau nach Zittau begonnen. Die Gaststätte „Paulaner Bräu“ wurde beschlagnahmt und diente als Wohnheim für die mit dem Aufbau beschäftigen Arbeiter. Außerdem beanspruchten die Junkerswerke zu selben Zeit, eine Fläche von 16.000 m² in der Spinnerei und Weberei AG Ebersbach für die Verlagerung ihres Magdeburger Werkes. Reichsminister der Luftfahrt, Göring, ordnete am 20. September 1944, die vollständige Verlegung der Fertigung der Junkerswerke aus Magdeburg und Dessau in die Räume der Gebr. Moras AG in Zittau an.
Am 20. November 1943 wurde das vom Bauingenieur Buchholz geleitete Konstruktionsbüro, dass eigens für den Bau der Produktionsstätte „Zittwerke-Kaserne“ eingerichtet wurde, von Dessau in die Firma Rudolf Arens nach Zittau verlegt. 2.830.000 RM wurden für das Geheimvorhaben IVa SO J/m 116 veranschlagt. Obwohl die endgültigen Planungen noch nicht abgeschlossen waren, erfolgte im Januar 1944 der Baubeginn. Zuvor war den Zittwerken von der Wehrmacht das Kasernengelände Kleinporitsch übergeben worden.
Vor Fertigstellung der Hallen in Porajow wurden die Websäle der Gebr. Moras AG als Produktionshallen genutzt. Die fast fertiggestellten großen Mannschaftshäuser und sechs weitere Rohbauten wurden in Porajow vollendet. Die Unterbringung von 1000 Werksangehörigen verursachte allerdings starke Probleme. 1944 erfolgte die Gründung der Eberwerke Aktiengesellschaft.

Die Junkerswerke beantragten für das Motorenbau-Zweigwerk Zittau-Kleinschönau (Kaserne), im März 1944 eine Anschlussbahn für die Bahnstrecke Zittau–Reichenberg. Im Dezember 1944 wurde mit dem Bau eines Anschlussgleises zwischen der Ortslage Porajow und den Zittwerken begonnen, dass im Januar 1945  in Betrieb genommen wurde. Die Produktionsstätte Zittwerke-Kaserne diente nach Aufnahme der Produktion im Jahr 1944 zur Fertigung von Triebwerken vom Typ Junkers Jumo 004B.

Als im Dezember 1943 der Direktor der Junkerswerke Walter Cambeis den Flächenbedarf reduzierte, wurde das bereits angelaufene Werksstilllegungsverfahren für die Moras AG hinfällig. Der Standort schien der Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG nach der angewiesenen Umstellung von der Entwicklung technisch hochleistungsfähiger, auf die Massenfertigung schnellster Spezialflugzeuge, nicht mehr geeignet. Am 20. März 1944 erfolgte die Gründung der „Zittwerke Aktiengesellschaft“ mit Sitz in Zittau, Bahnhofstraße 10.
Die Betriebsleitung bestand aus Dr. Ulderup als Betriebsführer, dem Direktor Hanewald und dem Prokuristen Pfeil.  Diese Personen waren zuvor bei Junkers tätig.
Kleinere Fertigungsstätten besaßen die Zittwerke in den Textilbetrieben Gebr. Haebler in Zittau, der Mechanischen Weberei Rudolf Breuer in Reichenau, der Fa. Kreutziger & Henke in Leutersdorf und  weiteren 17 Firmen in Zittau, Reichenau, Herrnhut und Großschönau. Die neu errichtete Schmittsche Spinnerei, in dem zum damaligen Protektorat Böhmen und Mähren gehörigen Städtchen Semil, kam ebenfalls hinzu. Aus diesen Textilbetrieben wurden auch die benötigten Produktionsarbeiterinnen „abgezogen“. Über die Anzahl der „Beschäftigten“, liegen keine genauen Angaben vor, Schätzungen gehen jedoch von über 2500 Menschen in Zittau aus, etwa 1500 arbeiteten in den Textilfabriken. Hilfskräfte wurden unter Leitung deutscher und ausländischer Spezialisten angelernt.
Die Arbeiten in den Bereichen der Bearbeitung, Galvanisierung und Montage erfolgten durch Fachkräfte der Luftfahrtindustrie und abgestellte Rüstungsarbeiter im Objekt Kaserne, dass als militärisches Sperrgebiet galt. Im Werk arbeiteten deutsche Facharbeiter und „Fremdarbeiter“, die aus verschiedenen Ländern dorthin verschleppt wurden. Streng von ihnen getrennt mussten dort auch KZ Häftlinge arbeiten. Die Fremdarbeiter und Kriegsgefangenen, unter anderem Engländer, Belgier, Italiener, Ungarn und Niederländer lebten unter etwas besseren Bedingungen als die KZ Häftlinge. Da die Nazis Sabotage oder Spionage befürchteten, wurden für Hilfsarbeiten Ostarbeiter und für Sonderarbeiten KZ-Häftlinge eingesetzt. 242 polnische Arbeiter waren im Oktober 1944 im Lager Ost des Kasernengeländes untergebracht. Auch sowjetische Arbeitskräfte wurden etwas später dort eingesetzt.
Als Mitte Februar 1945 die Zittwerke ihre Produktion einstellten wurde die Porajower Kaserne am 24. März 1945 aufgegeben und die Räumungen der Maschinen beendet.

Lager und Produktionsstätte Porajow
Außerhalb der Betriebsstätten erfolgte die Fertigung unter Aufsicht einer Luftwaffeneinheit, die sich im Kaufhaus Beckmann am Zittauer Markt befand. Diese war auch für den Transport der dort gefertigten Einzelteile nach Porajow verantwortlich. Die Produktion wurde mit dem Herannahen der Ostfront Mitte Februar 1945 eingestellt. In abgedeckten Güterzügen wurden die Maschinen ab dem 27. Februar 1945 nach Chemnitz – Hilbersdorf abtransportiert. Ein Zug fuhr am 2. März 1945 von Hirschfelde nach Dessau, ein weiterer 18. März nach Riesa. Zwischen dem 6. und 10. März 1945 wurden die Arbeiter in mehreren Sonderzügen nach Pustleben gebracht.
Die Betriebsstätte wurde am 24. März 1945 endgültig aufgegeben. Ein Sonderzug verlies an diesem Tag das Gelände mit unbekanntem Ziel. Die letzten 500 Arbeiter wurden von der Wehrmacht mit einem Personenzug, wahrscheinlich nach Halberstadt transportiert.

In einem separat gesicherten und durch Stacheldraht abgegrenzten „Wirtschaftsgebäude“ innerhalb des Kasernengeländes, wurde ein Außenkommando des KZ Groß Rosen ( Rogoznica bei Legnica ) untergebracht.
Die genaue Anzahl von Häftlingen konnte nicht genau ermittelt werden. Es wird von 864 Häftlingen ausgegangen, die im Jahr 1944 in den acht Produktionsstätten arbeiten mussten.
Das Frauenlager der KZ Außenstelle wurde am 28. Oktober 1944 und das Männerlager mit etwa 250 Häftlingen aus Ungarn und Polen, meist jüdischer Abstammung am 27. Januar 1945 eröffnet. Im Februar 1945 kam ein weiterer Transport, wahrscheinlich aus Groß – Rosen, mit 300 Häftlingen im Lager an. Dabei handelte es sich um sowjetische Kriegsgefangene und Juden.
Im Zittauer Lager der  Jüdinnen befand sich eine Entbindungsstation im Dachgeschoss des Lagergebäudes. Dorthin wurden aus den anderen KZ-AL Ostsachsens Schwangere zur Entbindung gebracht. Meist wurden danach die Frauen und Kinder weggeschafft ins KZ-AL Chrastava – es gehörte auch zum KZ Groß-Rosen. Die SS-Kommandoführerin in Chrastava ließ die Babys vergiften.
In der KZ Außenstelle herrschten unerträgliche, barbarische Lebensbedingungen. Etwa 266 Häftlinge wurden bis zum 08. Mai 1945 in den Zittwerken umgebracht. Viele Häftlinge starben an Hunger, Misshandlungen, Entkräftung und Krankheiten. Die toten Häftlinge wurden einfach in die Hartauer Brüche gekippt. Später wurden, wegen der Seuchengefahr, die Toten ins Krematorium gebracht.
Ab dem 25. März 1945 befanden sich nur noch das Ostarbeiterlager und das KZ-Außenlager auf dem Gelände, das durch Angehörige des 17. SS-Totenkopf-Wachbataillons bewacht wurde. Da das Stammlager in Groß-Rosen geräumt wurde, war eine Rückführung der Häftlinge nicht möglich. Das Lager diente als Auffanglager für die evakuierten Außenlager des KZ Groß Rosen der Weser-Flugzeugwerken in Bunzlau und aus dem böhmischen Reichenau. Am 30. April 1945 fuhr ein Sonderzug der Wehrmacht aus Leitmeritz kommend, über Varnsdorf in das Gelände der Zittwerke in Porajow ein und wieder aus. Bis heute ist der Zweck der Fahrt unbekannt. Die Reichsbahn löste am 6. und 7. Mai 1945 ihr Ostarbeiterlager Teufelsmühle im Zittauer Gebirge auf und brachte die Häftlinge im „Lager Ost“ der Zittwerke unter. Als die Rote Armee immer näher rückt, versuchte die SS die Spuren ihrer Verbrechen zu verwischen. Alle noch verbliebenen Häftlinge der KZ Außenstelle Poritsch sollten ermorden werden. Kolonnen von Häftlingen ziehen von Hirschfelde kommend durch Zittau. Wer nicht mehr weiter kann wird von der SS sofort erschossen. Einwohner werden von der SS gezwungen, die Toten an Ort und Stelle zu begraben.
Als am Vormittag des 7. Mai 1945 ein Luftangriff auf Zittau stattfand, flohen viele Angehörige der Wachmannschaften. Auch Häftlinge nutzen die Gelegenheit zur Flucht. Mehrere von ihnen kamen bei weiteren Bombenangriffen auf Zittau am 07. und 08. Mai ums Leben. Noch im Juni verstarben in der Stadt einige der früheren Lagerinsassen an Seuchen und Entkräftung.

Der überlebende KZ-Häftling Mortka Schwarz, ein in Majdanek geborener und bis 1939 in Oświęcim lebender Jude, blieb in Zittau. Er betrieb von 1946 bis zu seinem Tode im Jahre 1970 das Kaufhaus Schwarz.

Auf dem Gelände der Zittwerke wurde im Mai 1945 das Kriegs- und Zivilgefangenenlager Zittau eingerichtet. Die Fertigungsanlagen im Gelände wurden dem Verfall preisgeben und sind noch als Ruinen erhalten.

Epilog
Am 07. September 1958 wurden die sterblichen Überreste von ermordeten Häftlingen feierlich beigesetzt. Kurz vorher war auf dem Krematoriumsgelände ein Massengrab gefunden worden.
Nachweislich sind diese beiden Frauen ums Leben gekommen:
Elisabeth Aardewerk-Wagenhuis, geb. 21.12.1893 in Amsterdam
Vera Cohen-Rodrigues geb. 27.08.1911 in  Amsterdam

Quellen:
Wikipedia
Geschichte der Kreisparteiorganisation Zittau der SED Heft 3 (1917 – 1945 )
Geschichte der Arbeiterbewegung des Kreises Zittau Chronik 1830/1945
Karl-Heinz Gräfe/ Hans-Jürgen Töpfer „Ausgesondert und fast vergessen“
KZ-Außenlager auf dem Territorium des heutigen Sachsen, 1. Auflage ddp Goldenbogen, Dresden 1996.

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