Mannschaftsstamm- und Straflager Stalag VIII A in Görlitz-Moys

Stammlager (Stalag) war in der Zeit des Nationalsozialismus die Bezeichnung für Lager zur Unterbringung Kriegsgefangener des Zweiten Weltkrieges. Die korrekte Bezeichnung lautete "Mannschaftsstamm- und Straflager". Für Gefangene im "Heimatkriegsgebiet" und seine Stammlager war das Allgemeine Wehrmachtsamt (AWA) unter Leitung von General Hermann Reinecke im Oberkommando der Wehrmacht verantwortlich. Am 25. September 1944 wurde das Kriegsgefangenenwesen dem Reichsführer SS Heinrich Himmler in seiner Eigenschaft des Ersatzheeres (BdE) unterstellt. Am 23. September 1939 wurde auf dem Jäckelsberg in Görlitz-Moys, heute Zgorzelec-Ujazd, aus dem ehemaligen Durchgangslager (Dulag) das Lager für kriegsgefangene Unteroffiziere und Schützen gebildet. Schon zu diesem Zeitpunkt waren im Lager mehr als 10.000 Kriegsgefangene. Das Lagerareal war mit doppeltem Stacheldraht umspannt. Zur Bewachung standen rund um das Lager zehn Wachtürme. Am Lagereingang befanden sich die Sanitätsbaracken, die Aufnahme- und Desinfektionsbaracke, des weiteren Post- und Paketstelle. Rechts und links der Lagerstraße standen zwanzig Unterkünfte, zwei Lagerküchen, eine Kantine. In diesem Teil des Stalags gab es auch eine Theaterbaracke und eine "Kirchenbaracke", die auch als Lagerbibliothek genutzt wurde. In der Aufnahme-Baracke werden alle Gefangenen registriert. Alle Neuankömmlinge mussten sich in der benachbarten Desinfektionsbaracke entkleiden und ihr Gepäck abgeben. Die ca. 120.000 Kriegsgefangenen, die während des Zweiten Weltkrieges im Lager gefangen waren, kamen u.a. aus Frankreich, Polen, Jugoslawien, Belgien, USA, Sowjetunion, Italien und England. Im Stadtgebiet von Görlitz gab es noch mehrere, dem STALAG VIII A untergeordnete, Kriegsgefangenenlager. Die Inhaftierten waren gezwungen in Industriebetrieben und umliegenden Bauernhöfen zu arbeiten. Am 01. September 1941 war das Lager mit 47.328 Gefangenen belegt. Eine große Anzahl Kriegsgefangene wurden vom Lagerpersonal bestialisch ermordet oder sind in Folge von Krankheiten und Hunger gestorben. Der französische Komponist Oliver Messiaen, der 1940 zum französischen Militärdienst einberufen wurde, vollendete im STALAG VII A als Kriegsgefangener das "Quartett auf das Ende der Zeit" ("Quatuor pour la fin du temps") und führte es mit Hilfe von Jean Le Bouaire (Violine), Henri Akoka (Klarinette), Etienne Pascquier (Cello) und Oliver Messiaen am Klavier am 15. Januar 1941 zum ersten Mal auf. Carl-Albert Brüll, ehemaliger Hauptmann der Wehrmacht und Lagerdolmetscher des Stalag VIII A arbeitete nach 1945 als Rechtsanwalt in Görlitz. Er war, nachdem Demonstranten am 17. Juni 1953 in das Görlitzer Gefängnis eingedrungen waren, an der Befreiung politischer Häftlinge beteiligt. Durch das Urteil des Bezirksgerichts Dresden vom 12. August 1953 erhielt er dafür fünf Jahre Zuchthaus. Warum das Görlitzer Kriegsgefangenenlager bis in die 80er Jahre aus der Erinnerung verschwunden war hatte verschiedene Gründe:
  • Das Lager befand sich nach Festlegung der Oder-Neiße Grenze auf polnischem Territorium.
  • Die politische Situation zwischen polnischer und deutscher Bevölkerung war anfangs gespannt.
  • Die von Stalin fallen gelassenen gefangenen Sowjetsoldaten des "Großen Vaterländischen Krieges" waren im sozialistischen Bruderstaat DDR ebenfalls kein Thema.
  • Ein großer Teil der Kriegsgefangenen im Stalag VIII A kam aus alliierten Armeen, die Aufarbeitung hätte unerwünschte Westkontakte für DDR-Historiker mit sich gebracht. Und das war keinesfalls erwünscht.
Erst nach der politischen Wende von 1989 ist es möglich geworden, das Görlitzer Kriegsgefangenenlager in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken. Die Stadt Görlitz hat entsprechende Arbeiten unterstützt und gefördert. Die engagierte Görlitzer Schriftstellerin Hannelore Lauerwald verfasste ein Meisterwerk über das bis dahin kaum beachtete Kapitel Stalag VIII A. Heute erinnert ein Gedenkstein und mehrere Informationstafeln an das Kriegsgefangenenlager STALAG VIII A. In der Nähe des Lagers befindet sich ein Friedhof mit den Gräbern im Lager umgekommener sowjetischer Soldaten. Quelle: http://www.mahnung-gegen-rechts.de/pages/staedte/Goerlitz/pages/GoerlitzMessiaenStalagVIIIa.htm
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