Lebensbild des Antifaschisten Karl Krause

Karl Krause wurde am 18. September 190 als Kind einer Arbeiterfamilie in Berlin geboren. Seine Eltern heirateten 1902 in Varnsdorf. Da im damaligen Deutschland bessere Verdienstmöglichkeiten bestanden als in Varnsdorf, zog die Familie nach Berlin und der Vater fand als Maler Arbeit. Karl Krause besuchte die Volksschule in Berlin. In seiner Schulklasse wurden 40 Jungen unterrichtet. Im 1. Weltkrieg wurde die Schule in ein Lazarett umgewandelt. 1917 starb sein Vater als Soldat. Er hatte 3 Geschwister. Zwei Brüder wurden 1911 bzw. 1915 geboren. Die Schwester starb noch vor ihrem Schuleintritt an Diphterie, einer Krankheit, die damals viele Kinder dahinraffte. 1915 kehrte die Familie nach Varnsdorf zurück. Obwohl die Mutter nach dem Tode ihres Mannes alleinstehend war, tat sie alles für ihre Kinder. Sie sorgte auch dafür, dass Karl 1919 nach seiner Schulentlassung Maschinenschlosser lernen konnte. Seine Heimatstadt gehörte nun zur damaligen Tschechoslowakei, die 1918 nach dem 1.'Weltkrieg aus dem früheren Österreich-Ungarn entstand. Im Grenzgebiet der CSR lebten viele Deutsche gleichberechtigt mit den Tschechen zusammen. Nach der Lehrzeit wurde Karl Krause bald arbeitslos. In den folgenden Jahren teilte er das Schicksal vieler Arbeiter und konnte nur zeitweilig als Schlosser in verschiedenen Betrieben arbeiten. Als Arbeiterkind erlebte er die kapitalistische Ausbeutung am eigenen Leibe. Karl las viel und suchte Antwort auf die ihn bewegenden Fragen nach den Ursachen der Not der Arbeiter. So kam er zur kommunistischen Jugendbewegung und trat 1927 in Varnsdorf in die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei (KSČ) ein. In den dreißiger Jahren hatte sich in der Tschechoslowakei die Situation infolge der Krise des Kapitalismus und der Abwehrkämpfe der Arbeiterklasse aufs äußerste zugespitzt. In dieser Zeit wurde Karl Krause in zentrale Leitungen der kommunistischen Partei der Region gewählt. Enge Kontakte wurden mit den Genossen der KPD in Ostsachsen, besonders denen der Grenzorte unterhalten. Der Beginn der Herrschaft der Faschisten in Deutschland 1933 brachte für die Mitglieder der KSČ im Grenzgebiet neue Aufgaben. Sie nahmen Genossen der KPD, die von den Faschisten verfolgt wurden, auf und unterstützten sie in vielfältiger Weise. Unter Schwierigkeiten wurden ihnen Unterkunft und Verpflegung gesichert, obwohl die tschechischen Genossen meist selbst arbeitslos waren. Es entwickelte sich eine zentralgeleitete illegale Grenzarbeit. Dabei wurden die deutschen Genossen bei der Herstellung von Flugblättern und Zeitungen, die zum Sturz der Hitlerherrschaft aufforderten und beim illegalen Transport über die Grenze unterstützt. Besonders aktiv arbeitete die Widerstandsgruppe Grenzland, der auch Erich Böhm angehörte. Sie wurde von Varnsdorf aus durch Karl Lucas geleitet. Viele deutsche Antifaschisten, die über die Grenze kamen, berichteten von den Auswirkungen der blutigen Herrschaft der Faschisten. Als die deutschen und italienischen Faschisten 1936 General Franco in Spanien militärisch unterstützten, um die demokratische Volksfrontregierung zu beseitigen, entstand eine breite internationale Bewegung der Solidarität. Tausende Freiwillige aus vielen Ländern Europas und Amerikas eilten der rechtmäßigen spanischen Regierung zu Hilfe. In Krause reifte der Entschluss, am Freiheitskampf des spanischen Volkes teilzunehmen. Über Paris gelangte er illegal nach Spanien. Auf gefahrvollen Wegen, immer der französischen Polizei ausweichend, überschritt er mit anderen Antifaschisten das Pyrenäengebirge. In Spanien begegnete er im Herbst 1937 ehemaligen Kampfgefährten aus Varnsdorf und dem ostsächsischen Gebiet. Sie gehörten zu den internationalen Brigaden, die an der Seite der spanischen Klassengenossen gegen die Faschisten kämpften. Karl Krause wurde in die Batterie "Klement Gottwald" eingereiht, der tschechische, slowakische, ungarische, spanische und deutsche Kameraden angehörten. Sie standen in den Gefechten einer vielfachen Übermacht  der Faschisten gegenüber, die mit den modernsten Waffen ausgerüstet war. In opferreichem Kampf konnten trotzdem Erfolge für die gerechte Sache des spanischen Volkes errungen werden. Die Spanische Republik hatte sich auch gegen die inneren Feinde zu wehren. Auf Plakaten wurden die Werktätigen zu revolutionärer Wachsamkeit aufgerufen. Der Text eines Plakates lautete: "Der Spion hört!  Überall wo du sprichst, hört dich der Feind! Ein unvernünftiges, unüberlegtes Wort kann viele Tote verursachen.“ Solche Plakate schickte Krause nach Varnsdorf. Sie wurden von der tschechischen Staatspolizei beschlagnahmt. Mit entsprechenden Berichten über sein politisches Wirken wurden sie nach Prag gesandt. Mit Hilfe tschechischer Genossen konnte er 1976 Kopien der Plakate und Berichte aus dem Staatsarchiv der CSSR erhalten. Die Spanienkämpfer erfuhren die Solidarität ihrer Genossen, die sie durch Paketsendungen unterstützten. Als Antwort übermittelte Genosse Krause folgendes Schreiben: Fuentealbilla, 12.Dezember 1937 An die Bezirksleitung der KB Varnsdorf Liebe Genossen! Erlaube mir, Euch einige Zeilen des Dankes für Eure Solidaritätsaktion zu dieser für unseren Befreiungskampf so entscheidenden Zeit zu schreiben. Treue um Treue, wir sind hier, um den Interessen des internationalen Proletariats und der Sache der Verteidigung des Friedens, die vollkommen mit den Interessen des spanischen Volkes zusammenfallen, zu dienen. Ihr habt durch Euer Geschenk, durch das Geschenk des tschechoslowakischen Proletariats, Eure Treue zu uns, die wir hier für Euch kämpfen, aufs Neue bewiesen. Wir werden Eurem Vertrauen, indem wir den Faschismus schlagen, gerecht werden. Salud Euer Karl Auf diesem Schreiben befindet sich folgender Nachsatz: Werte Genossen! Ich bin Euch kein Unbekannter. Genosse Karl macht Euerm Bezirk und unserer sudetendeutschen Kompanie keine Schande. Er ist ein disziplinierter Kämpfer. Gruß an alle! Euer Genosse Gustav Lohn (Hauptmann Gustav Lohn war ein bekannter Spanienkämpfer. Er gab später im Freiheitskampf sein Leben.) Trotz des opferreichen Kampfes der spanischen Volksarmee, der die internationalen Brigaden angehörten, mussten ihre Kämpfer im Februar 1939 der faschistischen Übermacht weichen und wurden in Frankreich interniert. Die Interbrigadisten mussten in den französischen Konzentrationslagern ausharren. Darüber hat Karl Krause im 2.Band des Buches "Brigada Internacional" unter der Überschrift „Wir verhindern den Abtransport nach Afrika" berichtet. 1941 wurde er mit 250 Genossen von der französischen Legierung in Südfrankreich an die faschistische Gestapo ausgeliefert. Er wurde durch viele Gefängnisse in Deutschland geschleppt. Im August 1942 wurde Genosse Krause in das Konzentrationslager Sachsenhausen eingeliefert und erhielt die Häftlingsnummer 47065. Allein in diesem Jahr kamen 16 590 Gefangene in dieses KZ. Von 1936 - 1945 wurden in Sachsenhausen über 100 000 Menschen ermordet. Die Häftlinge mussten bei unzureichender Ernährung schwerste Arbeiten verrichten. Krause wurde in seinem Beruf als Maschinenschlosser ausgebeutet. Er lernte die Genossen Ernst Schneller und Robert Uhrig kennen, bewährte Funktionäre der SPD, die später von den Faschisten ermordet wurden. Sie gehörten zur illegalen Parteileitung des KZ. Die Überzeugung von der unvermeidlichen Niederlage des Faschismus gab den Häftlingen die Kraft, alle Qualen zu überstehen. Im Frühjahr 1945 nahten mit der Sowjetarmee die Befreier. Die Faschisten wollten alle Häftlinge vernichten und schickte sie auf den Todesmarsch nach Norden. Am 2.Mai 1945 wurden sie, darunter auch Genosse Krause, von der Sowjetarmee bei Schwerin befreit. Er kehrte nach Varnsdorf zurück, erhielt seine Anerkennung als politischer Häftling und wurde wieder in die KSČ aufgenommen. In Rahmen der Umsiedlung der Deutschen aus der CSR kam er im Frühjahr 1946 als Antifaschist nach Seifhennersdorf. In Seifhennersdorf beteiligte sich Genosse Krause als Mitglied der SED sofort aktiv an der politischen Arbeit. Er wurde von der Landesleitung der SED als Instrukteur für die Durchführung des Volksentscheides zur Enteignung der Nazi- und Kriegsverbrecher eingesetzt. Danach war er als politischer Betreuungsobmann im Heimkehrer- und Umsiedlerlager Hoyerswerda tätig. Die Arbeit unter den ehemaligen Soldaten und des Menschen, die durch den Krieg ihre Heimat verlassen mussten, war nicht einfach. Es galt, ihnen unter schwierigen Bedingungen eine neue Perspektive zu geben. Durch den Besuch der Landesparteischule der SED vervollkommnete Karl Krause sein politisches Wissen. Nach einer Tätigkeit beim Rat des Kreises Zittau wurde er im September 1948 zur Deutschen Volkspolizei delegiert. Der 2.Weltkrieg hatte in vielen Menschen eine tiefe Abneigung gegen alle Waffen hinterlassen. Viele Männer hatten sich geschworen, nie mehr ein Gewehr in die Hand zu nehmen. Seine Erfahrungen aus dem Kampf gegen die Faschisten, besonders aus Spanien hatten Karl Krause aber gelehrt, dass die Arbeiterklasse ohne Waffen machtlos ist. Deshalb zog er die Uniform der Deutschen Volkspolizei an. Wenn auch die damalige Bewaffnung, gemessen am heutigen Stand der Waffentechnik, noch unzureichend war, so musste doch der Klassengegner mit der bewaffneten Macht der Arbeiterklasse rechnen. Als einer der ersten erhielt Krause im September 1949 das Ehrenzeichen der Deutschen Volkspolizei. Er schuf mit die Voraussetzungen für den Aufbau der Nationalen Volksarmee, die 1956 gebildet wurde. Die Frau des Genossen Krause stammt auch aus einer Arbeiterfamilie und war ebenfalls Mitglied der SED. Er kannte sie schon seit seiner Jugendzeit. Seit 1943 ist sie ihm eine gute Lebens-und Kampfgefährtin. Sie steht noch aktiv in der gesellschaftlichen Arbeit. 1958 schied Genosse Krause aus gesundheitlichen Gründen aus der NVA aus. Er kam wieder nach Zittau zurück und war im Staatsapparat und als Zivilbeschäftigter in der Offiziershochschule "Ernst Thälmann" tätig. Seit 1968 war er Rentner. Die Regierung der DDR würdigte den Kampf des Genossen Krause gegen Faschismus und seine Verdienste beim Aufbau des Sozialismus durch die Verleihung der Hans Beimler-Medaille, der Medaille für Kämpfer gegen den Faschismus, sowie des Vaterländischen Verdienstordens in Silber. Quelle: persönliche Übermittlungen der Ehefrau von Karl Krause
Responses are currently closed, but you can trackback from your own site.

Comments are closed.

Powered by WordPress | Compare Premium WordPress Themes
Gedenkkultur.info, c/o. Infoladen Zittau, Äußere Weberstraße 2, 02763 zittau