Gewerkschaftshaus „Schwarzer Adler“

In den 20-iger und Anfang der 30-iger Jahre gab es in Zittau und den umliegenden Orten eine starke Arbeiterbewegung. Viele davon waren in der Gewerkschaft organisiert und Mitglieder der KPD. Bei den letzten Reichstagswahlen vor der Errichtung der faschistischen Diktatur erhielt die KPD 24,8 Prozent der Gesamtstimmenzahl.

Gegner der Nazis waren alle bisherigen Demokraten, Sozialdemokraten, die „Schwarze Brut“, die Gewerkschaften – also nicht nur die Kommunisten. Es bedurfte keineswegs des Reichstagsbrandes den Terror gegen Leib und Leben gegenüber der Opposition zu entfesseln. Der Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933 bot lediglich Gelegenheit, die Illegalitäten der Machtergreifung mit dem Mantel formaler Legalität zu umhüllen und den Terror systematisch zu organisieren. Wie in ganz Deutschland wurden in Zittau und Umgebung insbesondere erst einmal die Mitglieder der KPD verhaftet.

Bei einem Überfall der Nazis auf das Gewerkschaftshaus „Schwarzer Adler“ hatte es nur durch einen glücklichen Umstand keine Opfer unter den Gewerkschaftlern gegeben. Das ehemalige Gewerkschaftshaus “Schwarzer Adler” wurde von den Nazis besetzt und in aller Eile zur SS Wache und Folterkeller umfunktioniert. Viele Menschen wurden dort von den Faschisten wegen ihrer antifaschistischen Meinung grausam misshandelt.
In Zittau ging es in die Amtsgerichte der Stadt und nach Großschönau, Ostritz und Reichenau. Vor allem aber in die eilig eingerichteten SS-Wachen „Sächsischer Hof“ und „Schwarzer Adler“. Hier ließen SA- und SS-Männer ihre Fäuste und Knüppel sprechen.
Die Nazis waren gnadenlos gegen jede Opposition. Hausdurchsuchungen der Polizei mit SA und SS-Verstärkung standen nun auf der Tagesordnung.

Erste Verhaftungen im Bezirk Zittau
Am 1. März 1933 wurden im Bezirk Zittau die ersten Antifaschisten verhaftet. Bereits mit der Verhaftung begannen die Misshandlungen und Folterungen. Mit vorgehaltener Pistole wurden Oppositionelle und ihre Familienmitglieder bedroht und bei der Hausdurchsuchung die Wohnung systematisch demoliert und verwüstet. Kinder mussten mit ansehen, wie ihre Väter misshandelt, aus der Wohnung geprügelt und auf die bereitstehenden Lastwagen geschleppt wurden.

Anschließend ging es ins Gerichtsgefängnis Zittau, Großschönau, Ostritz und Reichenau. Ziel waren oft auch die Kellerräume der SA-Wache „Sächsischer Hof“ und „Schwarzer Adler“ in Zittau. Bei der Ankunft war die gesamte Mannschaft angetreten. Taschenlampen blitzten auf, die Gewehre wurden durchgeladen und die Revolver schussbereit gemacht. „Wir wurden mit Schimpfworten begrüßt wie Strolche, Lumpen, Verbrecher, rote Hunde. Vom Eingang bis in den Keller wurden wir durch ein Spalier von SA-Leuten die Treppe heruntergestoßen. Dabei hagelte es Fußtritte und Faustschläge. Im Keller stieß man uns mit Gewalt in einen finsteren Raum. Auf allen Vieren krochen wir im überbelegten Kellerraum umher, um in völliger Dunkelheit einen freien Platz zu finden“, erinnert sich ein Zeitzeuge. „Ich war im Vorhof der Hölle gelandet.“ Doch es sollte noch schlimmer kommen. Nicht nur für ihn allein. Fast die gesamte Opposition wurde in Ketten gelegt, traktiert, in manchen Fällen sogar brutal ermordet.

Ständig wurden wo genannte Säuberungsaktionen, Razzien und Hausdurchsuchungen durchgezogen. Damit die Bevölkerung von Zittau auf der Straße die Schmerzensschreie der Gefolterten nicht hörte, spielte die SS bei den Vernehmungen laute Musik vom Grammophon ab.

Heute erinnert eine Gedenktafel an die misshandelten Antifaschisten, auf der steht:
„1920 wurde dieses Gebäude als Neues Gewerkschaftshaus eingerichtet.
1933 verhörte und misshandelte die SA hier antifaschistische Widerstandskämpfer!“

Quellen:
Revolutionäre und Kämpfer der ersten Stunde des Kreises Zittau

Geschichte der Arbeiterbewegung des Kreises Zittau

Geschichte der Kreisparteiorganisation Zittau der SED ( 1830 – 1986 ) Heft 3 ( 1830 – 1945 )

Antifaschistischer Widerstandskampf der KPD und KPTsch in den Grenzgebieten der Oberlausitz und Liberec / Varnsdorf 1933 – 1938

Revolutionäre Kämpfer und Aktivisten der ersten Stunde des Kreises Zittau

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