Gedenkplatte zu Ehren der 2. polnische Armee in Ludvíkovice

Ludvíkovice ist eine Gemeinde im Norden der tschechischen Republik. Sie liegt vier Kilometer nordöstlich des Stadtzentrums von Děčín an dessen Stadtgrenze und gehört zum Kreis Děčín. Vor einer Schule stand bis zum Jahr 2010 ein Gedenkstein, der mit einer Platte an die Befreiung der Gegend durch die polnische Armee erinnerte. Aufgrund einer angebliche baulichen Maßnahme an der sich davor befindlichen Bushaltestelle wurde der Gedenkstein beseitigt. Die Gedenkplatte liegt nun vor der Schule. (1) Auf ihr steht sinngemäß:  „Durch Ludvíkovice kamen am 10. Mai 1945 die Einheiten der 5. polnischen Infanterie während der Befreiung von Nordböhmen. Bis zum 13. Mai 1945 folgten die 9. Infanterie Brigade, die 16. Panzerbrigade und das 28. motorisierte Regiment der 2. polnischen Armee unter Führung von General Karol Swierczewsky." Karol Świerczewski, (* 22. Februar 1897 in Warschau; † 28. März 1947 in Jabłonki bei Baligród) war ein polnischer Offizier und General im Dienste des bolschewistischen Russland ab 1918, Sowjetrusslands ab 1919, des republikanischen Spaniens als sowjetischer Divisionskommandeur im Spanischen Bürgerkrieg ab 1936 sowie ab 1944 der Armee der Provisorischen Regierung der Nationalen Einheit von Polen.  (2) Wie das Kriegsende in Decin aussah, dazu nun Petr Joza, der stellvertretende Archivdirektor des Bezirksarchivs in Decin: "Die Stadt Tetschen-Bodenbach / Decin-Podmokly war eine Kreisstadt und war damals eigentlich fast nur von Deutschen besiedelt. Die militärische Lage war hier bei Kriegsende sehr unübersichtlich. Es gab zersprengte SS-Einheiten, die aus Holländern und Rumänen bestanden. Die zogen hier von Ort zu Ort und waren am 8. Mai in der Stadtmitte von Decin / Tetschen. Am 8. Mai gab es einen russischen Fliegerangriff. Die Russen sind entlang der böhmischen Seite des Erzgebirges in Richtung Elbe gezogen und haben die Orte, die sie noch nicht am Boden erreicht hatten, aus der Luft angegriffen, um ein bisschen Verwirrung zu stiften. Bei diesem Luftangriff sind hier über 300 Menschen ums Leben gekommen. Die Opfer waren Zivilpersonen und auch russische, italienische und polnische Zwangsarbeiter", so Petr Joza. Zur gleichen Zeit versuchten tschechische und deutsche Widerstandskämpfer gemeinsam, in der Stadt Decin die NS-Führung abzusetzen und die Leitung der Stadt zu übernehmen. Petr Joza: "Während des Luftangriffs gab es eine Unterredung der hiesigen Antifaschisten mit der NSDAP-Leitung. Unter den Antifaschisten waren sowohl Tschechen als auch Deutsche. Als dann die Bomben fielen, haben die Nazis aufgegeben und sind geflüchtet. Diese kleine Gruppe von Antifaschisten hat dann die Macht übernommen, also das Landratsamt und das Bürgermeisteramt. Die Gruppe bestand aus Tschechen, die hier schon vor dem Krieg gelebt hatten, als tschechische Minderheit, sowie aus deutschen Kommunisten und Sozialdemokraten. Aber es waren nur wenige Leute und die Gruppe musste sich aufteilen. Je vier bis fünf Leute haben das ganze große Amtsgebäude übernommen." Kurze Zeit später traf in Decin die zweite polnische Armee ein, die im Verband der Roten Armee kämpfte.
Gedenkplatte

Gedenkplatte

Quellen: (1)    http://www.vets.cz/wp-content/uploads/2012/09/%C4%8Dasopis_monument_2012_003.pdf (2)    https://de.wikipedia.org/wiki/Karol_%C5%9Awierczewski (3)    http://www.radio.cz/de/rubrik/geschichte/tschechische-und-deutsche-antifaschisten-in-decin-nach-kriegsende
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