Der Katharinenhof Großhennersdorf – Ort des Schreckens

Der sogenannte „Katharinenhof“ in Großhennersdorf (nahe bei Zittau) wurde 1721 von Henriette Sophie von Gersdorf, einer frommen, aber auch karitativ tätigen Frau, zur Unterbringung von Waisenkindern gegründet.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde diese Einrichtung zur Betreuung von geistig Behinderten, damals wurden diese Menschen abwertender bezeichnet, umgewidmet.

Leiter dieser Einrichtung wurde der 1940 verstorbene Dr.med. Ewald Meltzer, ein zu seiner Zeit als fortschrittlich geltender Psychiater. Meltzer war zwar gegen die Tötung sogenannter Schwachsinniger, begrüßte aber andererseits die „rassehygienischen“ Maßnahmen der Nazis, wie z.B. die Sterilisierung von geistig behinderten Menschen.

Ende der dreißiger Jahre wurde unter persönlicher Federführung Hitlers der Tod geistig behinderter Menschen geplant, die sog. “Euthanasie“, (Aktion T 4) der bis 1945 ca. 140000 Menschen zum Opfer fielen. Im Katharinenhof waren ausschließlich Kinder und Jugendliche untergebracht.

In den Morgenstunden des 27.September 1940 fuhren 5 tarngrün angestrichene Autobusse der „Gemeinnützigen Krankentransport – Gesellschaft“, einer „T 4“-  Tarnorganisation, vor und holte 173 Kinder und Jugendliche, 104 Jungen und 69 Mädchen ab. Diese behinderten Menschen wurden z.T. in der nahegelegenen damaligen Landesnervenanstalt Großschweidnitz, zum Teil in Pirna – Sonnenstein, einer speziellen Vernichtungsstätte, entweder vergiftet oder vergast, andere Kinder wurden mittels „Hungerrationen“ umgebracht.

Auch nachdem 1941 nach massiven Protesten, vor allem aus kirchlichen Kreisen, das organisierte Töten eingestellt wurde, ging die Vernichtung sog. „lebensunwerten Lebens“ durch Giftbeibringungen in den Krankenanstalten bis Mai 1945 weiter. Von den Kindern des Katharinenhofes überlebten nur sehr wenige.

In den Gebäuden wurden danach etwa 400 Elsaß-Lothringer, die wegen ihrer Wehrdienstverweigerung zwangsumgesiedelt worden waren, sowie Bessarabien-Deutsche untergebracht. Der Katharinenhof wurde in den letzten Kriegsstunden durch Beschuss beschädigt. Im November 1941 wurden die Zwangsumsiedler aus Slowenien im Dorf untergebracht, im Oktober 1944 die ersten Flüchtlinge aus den Ostgebieten. Der Ort wurde Durchgangsstation für Tausende, die zeitweilig beherbergt und versorgt werden mussten. Am 7. Mai 1945 erfolgte das Kommando zur Räumung des zur Verteidigung vorbereiteten Dorfes und am 8. Mai wurde Großhennersdorf zum Kampfgebiet. Nur durch die Nachricht von der Kapitulation kam es nicht zu schwereren Zerstörungen.

Im Jahre 1996 wurde auf dem Gelände des Katharinenhofes ein Denkmal für die ermordeten Kinder errichtet.

Stele Katharinenhof Großhennersdorf

Stele Katharinenhof Großhennersdorf

Quellen und weiterführende Literatur:
Kindermaterial, Herausgegeben von der Umweltbibliothek Großhennersdorf e. V., Neisse Verlag, Görlitz 2005

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