Das KZ-Außenlager Zittau – die „Zittwerke“

Gedenkstein an die Opfer in den ehemaligen Zitt-Werken

Gedenkstein an die Opfer in den ehemaligen Zitt-Werken

Die Zittwerke bestanden von 28.10.1944 - 07.05.1945 in Porajow (früher Großporitsch). Diese waren ein Tarnunternehmen der Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG. Die Fabrik war 1939 als Zulieferbetrieb für die Junkerswerke eingerichtet worden. Hergestellt wurden vor allem Flugzeugteile und Munition. Am 29.April 1943 wurde erstmals Zittau und das Gelände des früheren Kriegsgefangenenlagers Porajow als möglicher Standort für die Produktion von kriegswichtigen Flugzeugtypen besichtigt. Auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers, das 1920 abgerissen wurde, war bereits mit einem Kasernenneubau begonnen worden. Die Arbeiten wurden jedoch nach Kriegsbeginn eingestellt und erneut als Internierungslager für Kriegsgefangene genutzt. Im August 1943 fiel die Entscheidung der Junkerswerke für Auslagerungen, in die Spinnerei und Weberei AG Ebersbach/Sa., die Gebr. Moras AG in Zittau, sowie den Bau von Produktionshallen auf der Kasernenbaubrache in Porajow. Ein bereits bestehender Vertrag zwischen dem Funkhersteller Dr. Seibt Nachf., Nachrichtenmittelfertigung, Berlin-Schöneberg und der Gebr. Moras AG wurde damit aufgehoben und der Berliner Radarproduzent an die Echo-Mühle Olbersdorf verwiesen. Da sich der Flächenbedarf vergrößerte, wurde das Textilunternehmen im September 1943 zur Abstellung von 16 Produktionsarbeiterinnen verpflichtet. Bereits im Oktober 1943 beanspruchte Junkers die gesamte Produktionsfläche der Moras AG für sich. Nach einem Einspruch der Unternehmensleitung der Moras AG, verfügte der neuernannte Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion, Albert Speer, im November 1943 persönlich die Stilllegung des Werkes. Noch im November wurde mit der Verlagerung der Produktionsmaschinen von Dessau nach Zittau begonnen. Die Gaststätte „Paulaner Bräu“ wurde beschlagnahmt und diente als Wohnheim für die mit dem Aufbau beschäftigen Arbeiter. Außerdem beanspruchten die Junkerswerke zu selben Zeit, eine Fläche von 16.000 m² in der Spinnerei und Weberei AG Ebersbach für die Verlagerung ihres Magdeburger Werkes. Reichsminister der Luftfahrt, Göring, ordnete am 20. September 1944, die vollständige Verlegung der Fertigung der Junkerswerke aus Magdeburg und Dessau in die Räume der Gebr. Moras AG in Zittau an. Am 20. November 1943 wurde das vom Bauingenieur Buchholz geleitete Konstruktionsbüro, dass eigens für den Bau der Produktionsstätte „Zittwerke-Kaserne“ eingerichtet wurde, von Dessau in die Firma Rudolf Arens nach Zittau verlegt. 2.830.000 RM wurden für das Geheimvorhaben IVa SO J/m 116 veranschlagt. Obwohl die endgültigen Planungen noch nicht abgeschlossen waren, erfolgte im Januar 1944 der Baubeginn. Zuvor war den Zittwerken von der Wehrmacht das Kasernengelände Kleinporitsch übergeben worden. Vor Fertigstellung der Hallen in Porajow wurden die Websäle der Gebr. Moras AG als Produktionshallen genutzt. Die fast fertiggestellten großen Mannschaftshäuser und sechs weitere Rohbauten wurden in Porajow vollendet. Die Unterbringung von 1000 Werksangehörigen verursachte allerdings starke Probleme. 1944 erfolgte die Gründung der Eberwerke Aktiengesellschaft. Die Junkerswerke beantragten für das Motorenbau-Zweigwerk Zittau-Kleinschönau (Kaserne), im März 1944 eine Anschlussbahn für die Bahnstrecke Zittau–Reichenberg. Im Dezember 1944 wurde mit dem Bau eines Anschlussgleises zwischen der Ortslage Porajow und den Zittwerken begonnen, dass im Januar 1945  in Betrieb genommen wurde. Die Produktionsstätte Zittwerke-Kaserne diente nach Aufnahme der Produktion im Jahr 1944 zur Fertigung von Triebwerken vom Typ Junkers Jumo 004B. Als im Dezember 1943 der Direktor der Junkerswerke Walter Cambeis den Flächenbedarf reduzierte, wurde das bereits angelaufene Werksstilllegungsverfahren für die Moras AG hinfällig. Der Standort schien der Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG nach der angewiesenen Umstellung von der Entwicklung technisch hochleistungsfähiger, auf die Massenfertigung schnellster Spezialflugzeuge, nicht mehr geeignet. Am 20. März 1944 erfolgte die Gründung der „Zittwerke Aktiengesellschaft“ mit Sitz in Zittau, Bahnhofstraße 10. Die Betriebsleitung bestand aus Dr. Ulderup als Betriebsführer, dem Direktor Hanewald und dem Prokuristen Pfeil.  Diese Personen waren zuvor bei Junkers tätig. Kleinere Fertigungsstätten besaßen die Zittwerke in den Textilbetrieben Gebr. Haebler in Zittau, der Mechanischen Weberei Rudolf Breuer in Reichenau, der Fa. Kreutziger & Henke in Leutersdorf und  weiteren 17 Firmen in Zittau, Reichenau, Herrnhut und Großschönau. Die neu errichtete Schmittsche Spinnerei, in dem zum damaligen Protektorat Böhmen und Mähren gehörigen Städtchen Semil, kam ebenfalls hinzu. Aus diesen Textilbetrieben wurden auch die benötigten Produktionsarbeiterinnen „abgezogen“. Über die Anzahl der „Beschäftigten“, liegen keine genauen Angaben vor, Schätzungen gehen jedoch von über 2500 Menschen in Zittau aus, etwa 1500 arbeiteten in den Textilfabriken. Hilfskräfte wurden unter Leitung deutscher und ausländischer Spezialisten angelernt. Die Arbeiten in den Bereichen der Bearbeitung, Galvanisierung und Montage erfolgten durch Fachkräfte der Luftfahrtindustrie und abgestellte Rüstungsarbeiter im Objekt Kaserne, dass als militärisches Sperrgebiet galt. Im Werk arbeiteten deutsche Facharbeiter und „Fremdarbeiter“, die aus verschiedenen Ländern dorthin verschleppt wurden. Streng von ihnen getrennt mussten dort auch KZ Häftlinge arbeiten. Die Fremdarbeiter und Kriegsgefangenen, unter anderem Engländer, Belgier, Italiener, Ungarn und Niederländer lebten unter etwas besseren Bedingungen als die KZ Häftlinge. Da die Nazis Sabotage oder Spionage befürchteten, wurden für Hilfsarbeiten Ostarbeiter und für Sonderarbeiten KZ-Häftlinge eingesetzt. 242 polnische Arbeiter waren im Oktober 1944 im Lager Ost des Kasernengeländes untergebracht. Auch sowjetische Arbeitskräfte wurden etwas später dort eingesetzt. Als Mitte Februar 1945 die Zittwerke ihre Produktion einstellten wurde die Porajower Kaserne am 24. März 1945 aufgegeben und die Räumungen der Maschinen beendet. Lager und Produktionsstätte Porajow Außerhalb der Betriebsstätten erfolgte die Fertigung unter Aufsicht einer Luftwaffeneinheit, die sich im Kaufhaus Beckmann am Zittauer Markt befand. Diese war auch für den Transport der dort gefertigten Einzelteile nach Porajow verantwortlich. Die Produktion wurde mit dem Herannahen der Ostfront Mitte Februar 1945 eingestellt. In abgedeckten Güterzügen wurden die Maschinen ab dem 27. Februar 1945 nach Chemnitz - Hilbersdorf abtransportiert. Ein Zug fuhr am 2. März 1945 von Hirschfelde nach Dessau, ein weiterer 18. März nach Riesa. Zwischen dem 6. und 10. März 1945 wurden die Arbeiter in mehreren Sonderzügen nach Pustleben gebracht. Die Betriebsstätte wurde am 24. März 1945 endgültig aufgegeben. Ein Sonderzug verlies an diesem Tag das Gelände mit unbekanntem Ziel. Die letzten 500 Arbeiter wurden von der Wehrmacht mit einem Personenzug, wahrscheinlich nach Halberstadt transportiert. In einem separat gesicherten und durch Stacheldraht abgegrenzten „Wirtschaftsgebäude“ innerhalb des Kasernengeländes, wurde ein Außenkommando des KZ Groß Rosen ( Rogoznica bei Legnica ) untergebracht. Die genaue Anzahl von Häftlingen konnte nicht genau ermittelt werden. Es wird von 864 Häftlingen ausgegangen, die im Jahr 1944 in den acht Produktionsstätten arbeiten mussten. Das Frauenlager der KZ Außenstelle wurde am 28. Oktober 1944 und das Männerlager mit etwa 250 Häftlingen aus Ungarn und Polen, meist jüdischer Abstammung am 27. Januar 1945 eröffnet. Im Februar 1945 kam ein weiterer Transport, wahrscheinlich aus Groß – Rosen, mit 300 Häftlingen im Lager an. Dabei handelte es sich um sowjetische Kriegsgefangene und Juden. Im Zittauer Lager der  Jüdinnen befand sich eine Entbindungsstation im Dachgeschoss des Lagergebäudes. Dorthin wurden aus den anderen KZ-AL Ostsachsens Schwangere zur Entbindung gebracht. Meist wurden danach die Frauen und Kinder weggeschafft ins KZ-AL Chrastava - es gehörte auch zum KZ Groß-Rosen. Die SS-Kommandoführerin in Chrastava ließ die Babys vergiften. In der KZ Außenstelle herrschten unerträgliche, barbarische Lebensbedingungen. Etwa 266 Häftlinge wurden bis zum 08. Mai 1945 in den Zittwerken umgebracht. Viele Häftlinge starben an Hunger, Misshandlungen, Entkräftung und Krankheiten. Die toten Häftlinge wurden einfach in die Hartauer Brüche gekippt. Später wurden, wegen der Seuchengefahr, die Toten ins Krematorium gebracht. Ab dem 25. März 1945 befanden sich nur noch das Ostarbeiterlager und das KZ-Außenlager auf dem Gelände, das durch Angehörige des 17. SS-Totenkopf-Wachbataillons bewacht wurde. Da das Stammlager in Groß-Rosen geräumt wurde, war eine Rückführung der Häftlinge nicht möglich. Das Lager diente als Auffanglager für die evakuierten Außenlager des KZ Groß Rosen der Weser-Flugzeugwerken in Bunzlau und aus dem böhmischen Reichenau. Am 30. April 1945 fuhr ein Sonderzug der Wehrmacht aus Leitmeritz kommend, über Varnsdorf in das Gelände der Zittwerke in Porajow ein und wieder aus. Bis heute ist der Zweck der Fahrt unbekannt. Die Reichsbahn löste am 6. und 7. Mai 1945 ihr Ostarbeiterlager Teufelsmühle im Zittauer Gebirge auf und brachte die Häftlinge im „Lager Ost“ der Zittwerke unter. Als die Rote Armee immer näher rückt, versuchte die SS die Spuren ihrer Verbrechen zu verwischen. Alle noch verbliebenen Häftlinge der KZ Außenstelle Poritsch sollten ermorden werden. Kolonnen von Häftlingen ziehen von Hirschfelde kommend durch Zittau. Wer nicht mehr weiter kann wird von der SS sofort erschossen. Einwohner werden von der SS gezwungen, die Toten an Ort und Stelle zu begraben. Als am Vormittag des 7. Mai 1945 ein Luftangriff auf Zittau stattfand, flohen viele Angehörige der Wachmannschaften. Auch Häftlinge nutzen die Gelegenheit zur Flucht. Mehrere von ihnen kamen bei weiteren Bombenangriffen auf Zittau am 07. und 08. Mai ums Leben. Noch im Juni verstarben in der Stadt einige der früheren Lagerinsassen an Seuchen und Entkräftung. Der überlebende KZ-Häftling Mortka Schwarz, ein in Majdanek geborener und bis 1939 in Oświęcim lebender Jude, blieb in Zittau. Er betrieb von 1946 bis zu seinem Tode im Jahre 1970 das Kaufhaus Schwarz. Auf dem Gelände der Zittwerke wurde im Mai 1945 das Kriegs- und Zivilgefangenenlager Zittau eingerichtet. Die Fertigungsanlagen im Gelände wurden dem Verfall preisgeben und sind noch als Ruinen erhalten. Epilog Am 07. September 1958 wurden die sterblichen Überreste von ermordeten Häftlingen feierlich beigesetzt. Kurz vorher war auf dem Krematoriumsgelände ein Massengrab gefunden worden. Nachweislich sind diese beiden Frauen ums Leben gekommen: Elisabeth Aardewerk-Wagenhuis, geb. 21.12.1893 in Amsterdam Vera Cohen-Rodrigues geb. 27.08.1911 in  Amsterdam Quellen: Wikipedia Geschichte der Kreisparteiorganisation Zittau der SED Heft 3 (1917 - 1945 ) Geschichte der Arbeiterbewegung des Kreises Zittau Chronik 1830/1945 Karl-Heinz Gräfe/ Hans-Jürgen Töpfer „Ausgesondert und fast vergessen“ KZ-Außenlager auf dem Territorium des heutigen Sachsen, 1. Auflage ddp Goldenbogen, Dresden 1996.
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