Das Außenlager des KZ Groß- Rosen in Chrastava/ Bily Kostel

Erinnerungstafel Chrastava In der kleinen tschechischen Stadt Chrastava befand sich eine Munitionsfabrik der Firma Spreewerk GmbH mit Sitz in Berlin, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Industrie-Werke AG (DIWAG)errichtet worden. Hinter diesem Firmenkomplex stand die Deutsche Wehrmacht, die bereits 1936 begann, entsprechende Firmen im Rahmen der Kriegsvorbereitungen aufzubauen.[1] In dieser Fabrik waren insgesamt etwa 1000 Frauen, meist jüdischer Herkunft eingesetzt. Untergebracht waren diese in einem Außenlager (Frauenlager) des Konzentrationslagers Groß - Rosen (heute in der Republik Polen) in Bily Kostel.[2] Der erste Transport traf am 24. Oktober 1944 aus Auschwitz-Birkenau kommend in Bily Kostel ein und umfasste 100 Frauen. Diese erhielten die Häftlingsnummern 75901 – 76000. Noch im selben Monat kamen weitere 200 Frauen aus Auschwitz in Bily Kostel an. Diese Frauen stammten mehrheitlich aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden. Unter ihnen waren auch einige Ungarinnen, Polinnen und Frauen anderer Nationalität. Die Verhältnisse in der Fabrik und im Lager waren katastrophal. Die deutschen Meister schlugen die Frauen und zwangen die Frauen zu Überstunden. Die regulären Schichten dauerten aber bereits 12 Stunden. Die Unterbringung im Lager in Bily Kostel, von dem aus die Frauen jeden Tag nach Chrastava gehen mussten, war ebenso schlimm. Die Frauen waren in der vierstöckigen stillgelegten Textilfabrik Jäger untergebracht, die mit Stacheldraht umzäunt war. Fließendes Wasser war ebenso rar wie ausreichende Ernährung.  Anfänglich verkauften die Aufseherinnen die Nahrungsmittelrationen sogar noch schwarz, was aber dann von der Fabrikleitung unterbunden wurde, weil diese an der Arbeitsleistung der inhaftierten Frauen interessiert war. Das „Frühstück“ bestand aus einem Stück Brot und etwas Kaffeeersatz bzw. Pfefferminztee, das „Abendbrot“ aus einer Art Kartoffelsuppe, am Sonntag aus Kartoffeln mit Fleischsoße. Durch die mangelnde Hygiene machten sich Läuse breit, die Typhus übertrugen, woran viele Frauen erkrankten. Wie viele Frauen an Kälte, Hunger und Unterernährung im Lager starben, ist nicht bekannt. [3] Ab Januar 1945 wurde dieses Lager immer mehr zum Auffangort für Evakuierungstransporte aus dem Osten. Das Lager wurde am 9.Mai 1945 von der Roten Armee befreit, nachdem die Wachmannschaften der SS dieses kampflos aufgegeben hatten. [4] Von 1945 bis 1948 fanden vor dem Außerordentlichen Volksgericht in Liberec Strafverhandlungen gegen vier ehemalige Aufseherinnen des Lagers Weißkirchen wegen Häftlingsmißhandlungen und anderer Verbrechen gegen die Menschlichkeit statt. Als Gründe für die Häftlingsmisshandlungen gaben sie an, dass sie Sauberkeit und eine bessere Arbeitsleistung erzielen wollten. Herta Schöller und Maria Kunz wurden 1946 zu je fünf Jahren Haft verurteilt. Die Aufseherin Lisbeth Herkner wurde zu sieben Jahren Haft verurteilt. Die aus Bily Kostel stammende ehemalige Aufseherin Maria Ditrich wurde freigesprochen. Die schlimmste der Aufseherinnen, die besonders grausam und brutal zu den Häftlingen war, Jutta Dienel, konnte in die Westzonen entkommen; 1976 stellte die Staatsanwaltschaft Köln das Ermittlungsverfahren gegen sie ein, nachdem sie bereits im Jahre 1972 gestorben war! [5] Im Jahr 1995 wurde in Chrastava am Museum eine Gedenktafel zur Erinnerung an die im Lager inhaftierten jüdischen Frauen eingeweiht. Auf ihr steht: In Erinnerung an die jungen Juden, die aus Frankreich, Polen und den Niederlanden nach Auschwitz-Birkenau und danach in das Zwangsarbeitslager Weißkirchen-Kratzau deportiert wurden, als Zeugnis der Dankbarkeit gegenüber den tschechischen Bürgern, die sie befreit haben. Du, der vorbeikommt, erinnere dich. 9. May 1945 - 10. May 1995 Einen Bericht über das Arbeitslager aus dem Jahr 1944 finden Sie hier. Einen Bericht jüdischer Frauen finden Sie hier. Quellen: [1] http://de.wikipedia.org/wiki/Munitionsanstalt [2] http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Außenlager_des_KZ_Groß-Rosen [3] Benz/Distel, a.a.O., Bericht einer Lagerinsassin vom November 1944:Http://library.fes.de/pdf-files/netzquelle/c-01653/3-kratzau.pdf [4] vgl. dazu Wolfgang Benz/Barbara Distel (Hrsg.), Der Ort des Schreckens, Geschichte der  nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 6, München 2007, S.364 ff. [5] Benz/Distel, a.a.O.
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