Holger Müller (Feige)

„Holger- Müller- Gedenkmärsche“ in Zittau Am 05. Juli 1992  kam es in Zittau zu folgenden Ereignissen: Gegen 19.00 Uhr griffen mehrere Nazis auf einem Rummelplatz  drei Mosambikaner, welche Asyl beantragt hatten, an. Bei dem Angriff wurde einer der Mosambikaner erheblich verletzt. Um weiteren Angriffen aus dem Weg zu gehen, entfernten sie sich. Sie wurden jedoch von den Nazis bis auf die Zittauer Schliebenstraße verfolgt. Auf dieser kam es zu einem Handgemenge. Dabei wurde ein Nazi, es handelte sich um Holger Müller, durch ein Messer verletzt. Er erlag einige Stunden später seinen Verletzungen. Aufgrund der Aussage von  Augenzeugen wurde das Verfahren gegen den Asylbewerber wegen des Vorliegens von Notwehr eingestellt; die am Tatort anwesenden „Kameraden“ wurden später wegen unterlassener Hilfeleistung verurteilt. In den Nachtstunden griffen  ca. 15 Nazis  - offensichtlich zur „Vergeltung“ - das Asylbewerber-heim in der Äußeren Weberstraße an; sie setzten Reizgas sowie Baseballschläger ein und sprühten die Feuerlöscher in den Fluren des Heims leer. ( Quelle: Recherchen von „Augen Auf“ sowie „Sächsische Zeitung“) Nichtsdestotrotz sprachen die Nazis vom „Mord an dem Kameraden Holger Müller“ und organisierten – unter Beachtung durch die örtlichen Medien – am 12.07.1992 einen „Trauer- und Gedenkmarsch“ für den „gefallenen Kameraden“; dieses Spektakel hielten die Nazis 10 Jahre durch. Anfänglich lag die Teilnehmerzahl bei ca. 200 – 300 Nazis. Die Mobilisierung wurde im wesentlichen durch die örtliche NPD und den „Nationalen Jugendblock“(NJB)  getragen. Anfänglich wurde offensichtlich sachsenweit der Marsch beworben. Die Gegenreaktionen waren anfänglich verhalten, was sich aber im Laufe der Jahre änderte. 1994 berichtet die „Sächsische Zeitung“, daß lediglich 100 Nazis an dem Aufmarsch teilnehmen; im Vorfeld waren die Naziaufrufe von engagierten Menschen überklebt worden. 1997 verbreitet der damalige NPD- Kreisverband Löbau- Zittau einen schwülstigen Aufruf, in dem sie für den 05.07.1997 zum „Trauermarsch für unseren vor 5 Jahren ermordeten Kameraden Holger Müller“ aufrief. An diesem Aufzug nahmen erstaunlich viele Nazis teil, die aber jeder Diskussion  aus Angst vor „Übergriffen der Antifa“ auswichen. Auch die Präsenz der Medien wurde gescheut, ein Teilnehmer trug ein selbst gebasteltes Plakat mit der Aufschrift: „Presse und Fernsehen lügen“. Am 05.07.1998 zogen 150 Nazis  anläßlich des „Trauermarsches“ durch Zittau; diesmal war die Gegenwehr aber deutlicher zu spüren: Am Tag darauf demonstrierten hunderte antifaschistisch eingestellte Menschen unter dem Motto „Kein Mensch ist illegal“ in Zittau und setzten damit einen deutlichen Gegenakzent zu dem braunen Treiben. Im Gegensatz zu den 13 Platzverweisen, die die Nazis kassierten, bemerkte die „Sächsische Zeitung“ im Blick auf die antifaschistische Demo trocken: „Maßnahmen waren nicht nötig.“. 1999 berichtet die „Sächsische Zeitung“, daß ca. 300 Nazis durch Zittau-Süd marschierten, während auf der Bahnhofstraße antifaschistische Aktivitäten, organisiert vom VVN und der damaligen PDS stattfanden. Allerdings war dieser Trauermarsch weniger von Trauer für den „gefallenen Kameraden“ geprägt, sondern eher vom Wahlkampf der NPD! Wenige Tage nach dem „Trauermarsch“ vom 04.07.1999 kam es am 14.07.1999 auf dem Zittauer Stadtfest zu Übergriffen durch Nazis. Eine junge Antifaschistin wurde durch die Stadt gehetzt. Sie konnte sich in Sicherheit bringen. Tage zuvor war ein schwul- lesbisches Fest attackiert worden. 2 Wochen später fand aber in Zittau dann jedoch das „Grenzcamp – Kein Mensch ist illegal“ statt – mit sehr kreativen Aktionen, an die manche/r  noch heute denkt. Am 02.07.2000 fanden sich noch einmal ca. 170 Nazis zu dem „Trauermarsch“ ein. Diesmal waren aber im ganzen Stadtgebiet  von Zittau Flugblätter mit dem Titel „ Wenn aus Tätern Opfer werden“  durch die „Aktion Zivilcourage“ gegen den Naziaufmarsch verteilt worden. Dementsprechend motiviert „fiel das Gemüse kistenweise auf den Demonstrationszug“, wie die „Sächsische Zeitung“ zu berichten wußte. Am 07.07.2001 fand der vorletzte „Holger- Müller- Gedenkmarsch“ statt. Schon im Vorfeld hatten antifaschistisch eingestellte Menschen massiv dagegen mobilisiert. Neben NPD riefen der „Nationale Jugendblock“(NJB) und „Odins Legion“ zum Marsch auf. Die Nazis konnten, im Gegensatz zu den Vorjahren, jedoch nur noch ca. 100 Anhänger mobilisieren, da das Thema innerhalb der ostsächsischen Naziszene an Attraktivität und Mobilisierungskraft verloren hat. Der Marsch wurde durch Farbbeutel- und Tomatenwürfe gestört; allerdings hatte die Polizei schon im Vorfeld  „31 Personen in Gewahrsam“ genommen. Der Protest war also massiver geworden, wurde aber durch die Staatsgewalt ebenso massiv behindert. Im Jahre 2002 marschierten die Nazis am 06.07. zum letzten Mal „für Holger Müller“. Die Veranstaltung war von „einer Privatperson aus dem Landkreis“ angemeldet worden, wie die „Sächsische Zeitung“ berichtete. An diesem Aufmarsch nahmen jedoch nur noch ca. 70 Nazis teil. Nennenswerte Gegenaktivitäten waren nicht zu verzeichnen. Mit diesem „Trauermarsch“ endete auch das braune Trauerspiel.